Einzelprojekte
ab 2021
Ars iuvenis – Junge Künstlerinnen malen Rom
Mit großer Freude präsentieren die Stipendiatinnen der Kunsthalle Burkamp – Annika, Julia, Lilli, und Nele – die Ergebnisse ihres mehrmonatigen Projekts, das unter der künstlerischen Leitung von Frank Burkamp realisiert wurde. Die Werke werden im LWL-Römermuseum vom 28.10. bis 14.12.2025 der Öffentlichkeit gezeigt.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die individuelle Auseinandersetzung der Nachwuchsmalerinnen mit dem „alten Rom“ – nicht als bloßes historisches Motiv, sondern als lebendiger Inspirationsmoment für zeitgenössische Malerei. Entstanden sind vielfältige künstlerische Interpretationen, die Tradition und Geschichte mit der Gegenwart verknüpfen.
Die Ausstellung zeigt zehn Ölgemälde und vorbereitende Zeichnungen und Skizzen der vier jungen Stipendiatinnen. Während die Gemälde als eigenständige Werke das Ergebnis einer intensiven malerischen Auseinandersetzung sind, erlauben die begleitenden Zeichnungen Einblicke in den künstlerischen Prozess: Sie dokumentieren das Suchen, Finden, Verwerfen und Verdichten – das ständige Ringen um Form, Ausdruck und Bedeutung.
Ars iuvenis – „die Kunst der Jugend“ – steht dabei nicht nur für das junge Alter der Künstlerinnen, sondern auch für die frische, neugierige und gleichzeitig reflektierte Herangehensweise zu Themen mit zeitloser Relevanz.
Das vom Team der Kunsthalle Burkamp konzipierte Projekt unterstützt und begleitet junge Künstler*innen auf ihrem Weg, indem es traditionelle Maltechniken vermittelt, zur Auseinandersetzung mit (kunst-)historischen Zusammenhängen anregt und zugleich Raum für individuelle künstlerische Entwicklung in der Gegenwart bietet.
Darüber hinaus stärkt es durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartner*innen die kulturelle Infrastruktur und regt den kulturellen Austausch an.
Neben dem Engagement der Mitarbeitenden der Kunsthalle Burkamp wird das Projekt gefördert und ermöglicht durch die Unterstützung von vier Stiftungen und Fördervereinen, u.a. der KulturStiftung Masthoff.
Zu den Beteiligten des Projekts gehören
V.l.n.r.: Dr. Josef Mühlenbrock (LWL-Römermuseum), Gerda Sohn (Lions Club / Römercafé), Annika Stürzebecher (Stipendiatin), Lilli Pikorz (Stipendiatin), Dr. Thomas Schmidt (KulturStiftung Masthoff), Nele Hülsmann (Stipendiatin), Frank Burkamp (Kunsthalle Burkamp), Dr. Carsten Radas (Lions Club / Römercafé), Elisabeth Westermann (KulturStiftung Masthoff), Daniela Radas (Lions Club / Römercafé), Antje Sprenger (Lions Club / Römercafé), Dr. Lisa Stratmann (LWL-Römermuseum), Thomas Tenkamp (Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung) sowie Annika Springstubbe (Kunsthalle Burkamp). Die Stipendiatin Julia Kalus ist nicht abgebildet.Â
Ars iuvenis – Junge Künstlerinnen malen Rom
Mit großer Freude präsentieren die Stipendiatinnen der Kunsthalle Burkamp – Annika, Julia, Lilli, und Nele – die Ergebnisse ihres mehrmonatigen Projekts, das unter der künstlerischen Leitung von Frank Burkamp realisiert wurde. Die Werke werden im LWL-Römermuseum vom 28.10. bis 14.12.2025 der Öffentlichkeit gezeigt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die individuelle Auseinandersetzung der Nachwuchsmalerinnen mit dem „alten Rom“ – nicht als bloßes historisches Motiv, sondern als lebendiger Inspirationsmoment für zeitgenössische Malerei. Entstanden sind vielfältige künstlerische Interpretationen, die Tradition und Geschichte mit der Gegenwart verknüpfen.
Die Ausstellung zeigt zehn Ölgemälde und vorbereitende Zeichnungen und Skizzen der vier jungen Stipendiatinnen. Während die Gemälde als eigenständige Werke das Ergebnis einer intensiven malerischen Auseinandersetzung sind, erlauben die begleitenden Zeichnungen Einblicke in den künstlerischen Prozess: Sie dokumentieren das Suchen, Finden, Verwerfen und Verdichten – das ständige Ringen um Form, Ausdruck und Bedeutung.

Ars iuvenis – „die Kunst der Jugend“ – steht dabei nicht nur für das junge Alter der Künstlerinnen, sondern auch für die frische, neugierige und gleichzeitig reflektierte Herangehensweise zu Themen mit zeitloser Relevanz.
Das vom Team der Kunsthalle Burkamp konzipierte Projekt unterstützt und begleitet junge Künstler*innen auf ihrem Weg, indem es traditionelle Maltechniken vermittelt, zur Auseinandersetzung mit (kunst-)historischen Zusammenhängen anregt und zugleich Raum für individuelle künstlerische Entwicklung in der Gegenwart bietet.
Darüber hinaus stärkt es durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartner*innen die kulturelle Infrastruktur und regt den kulturellen Austausch an.
Neben dem Engagement der Mitarbeitenden der Kunsthalle Burkamp wird das Projekt gefördert und ermöglicht durch die Unterstützung von vier Stiftungen und Fördervereinen, u.a. der KulturStiftung Masthoff.
Zu den Beteiligten des Projekts gehören
V.l.n.r.: Dr. Josef Mühlenbrock (LWL-Römermuseum), Gerda Sohn (Lions Club / Römercafé), Annika Stürzebecher (Stipendiatin), Lilli Pikorz (Stipendiatin), Dr. Thomas Schmidt (KulturStiftung Masthoff), Nele Hülsmann (Stipendiatin), Frank Burkamp (Kunsthalle Burkamp), Dr. Carsten Radas (Lions Club / Römercafé), Elisabeth Westermann (KulturStiftung Masthoff), Daniela Radas (Lions Club / Römercafé), Antje Sprenger (Lions Club / Römercafé), Dr. Lisa Stratmann (LWL-Römermuseum), Thomas Tenkamp (Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung) sowie Annika Springstubbe (Kunsthalle Burkamp). Die Stipendiatin Julia Kalus ist nicht abgebildet.

Antonio Serrano & Kaele Jiménez in der Kunsthalle Burkamp, Haltern am See, 5.10.2025
Im Rahmen des Münsterland Festivals gastierten der Madrider Mundharmonika-Antonio Serrano und der junge Pianist Kaele Jiménez in der Kunsthalle Burkamp. Das Konzert, gefördert von der KulturStiftung Masthoff und Acción Cultural Española, stand ganz im Zeichen des Flamenco Jazz – einer Stilfusion, die beide Künstler mit hörbarer Leidenschaft und technischer Raffinesse verkörperten.
Serrano, Latin-Grammy-Preisträger und weltweit einer der renommiertesten Mundharmonikaspieler, hat das Instrument in verschiedensten Genres etabliert – vom Jazz über Klassik bis hin zum Flamenco. International bekannt wurde er vor allem durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Paco de LucÃa, mit dem er bis zu dessen Tod im Jahr 2014 auf Tournee war. Mit seiner Fähigkeit, auf der chromatischen Mundharmonika die Ausdruckskraft des Flamenco zu übertragen, hat er Maßstäbe gesetzt.
Jiménez, ein junger Pianist aus Spanien, ist Autodidakt und schöpft aus einem breiten stilistischen Spektrum. Seine musikalische Sprache verbindet die rhythmische Komplexität des Flamenco mit der harmonischen Freiheit des Jazz. Dabei gelingt es ihm, sowohl als Begleiter als auch als Solist starke künstlerische Akzente zu setzen – mit rhythmischer Prägnanz, feinen harmonischen Farben und großer gestalterischer Klarheit.
Das Programm verstand sich als Hommage an große stilübergreifende Duos wie Paco de LucÃa und John McLaughlin. Neben Eigenkompositionen standen auch Werke des modernen Flamenco Jazz auf dem Programm. Besonders eindrucksvoll gelang „Armando’s Rhumba“ von Chick Corea: Die komplexe rhythmische Verzahnung, das spontane Wechselspiel und die klangliche Dichte machten dieses Stück zum Höhepunkt des Abends.
Die Kunsthalle Burkamp, ein etablierter Ort für zeitgenössische Kunst und musikalische Begegnungen, bot einen intimen Rahmen für diesen musikalisch vielschichtigen Abend. Die Akustik ließ selbst leise Passagen in voller Klarheit zur Geltung kommen – etwa wenn Serrano mit seinem charakteristisch warmen Ton subtil zwischen Melancholie und Virtuosität balancierte.
Mit der Zugabe „Sweet Georgia Brown“, einem Klassiker des Jazz, schlug das Duo souverän den Bogen zur amerikanischen Swing-Tradition – und bewies einmal mehr seine stilistische Offenheit. Lang anhaltender Applaus und Standing Ovations beendeten ein Konzert, das Brücken schlug: zwischen Kulturen, Generationen und musikalischen Welten.
Jörg Garritzmann
© Ruhr Nachrichten, 22. Oktober 2021
Weltmusiktrio Cobario nahm Publikum im Schloss Sythen mit auf große Reise
Auf die Grabung, fertig, los! Mit diesem Aufruf startete das LWL-Römermuseum 2024 die Sommerferienaktion „GrabungshelferInnen gesucht“. Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren waren aufgefordert, selbst zu ArchäologInnen zu werden. Der Besucherandrang war groß. Finden doch immer wieder AchäologInnen in Haltern am See Hinterlassenschaften der Römer. Da die jungen GrabungshelferInnen ein neues Dach über dem Kopf brauchten, spendete die KulturStiftung Masthoff für ein 48 Quadratmeter großes Grabungszelt.
Das in seinen Anfängen aus dem 14. Jahrhundert stammende Kapellengebäude von Schloß Sythen bildet das Herzstück dieser schönen Schloßanlage. Das Gebäude wurde auf Eichenpfählen in einem ziemlich sumpfigen Gelände errichtet. Dieser Standort bedingt, daß Feuchtigkeit in die einen Meter dicken Grundmauern eindringt. Um dauerhafte Schäden zu vermeiden, mußte im Innenraum der vorhandene Putz durch einen besonders atmungsaktiven Spezialputz aus Mörtel auf Muschelkalk-Basis ersetzt werden. Dabei handelt es sich um eine anspruchsvolle und kostspielige Maßnahme, die nur durch einen erfahrenen Restaurator durchgeführt werden kann. Die Kosten dieser im Herbst 2023 erfolgten Restaurierung hat die Stiftung in voller Höhe übernommen.
Das Römerlager Aliso des LWL-Römermuseums bietet den Besuchern einen besonderen Clou. Sie können sich nun mit Hilfe der Virtual-Reality Technologie in die Zeit zurückversetzen, als das Römerlager seine größte Ausdehnung hatte. Das VR-Headset wurde so angepaßt, daß es in einem echten Römerhelm betrieben werden kann. Der Benutzer reist durch das Aufsetzen dieses Römerhelms in die Vergangenheit, wobei er sich an demselben Ort befindet, an dem er real ist, nur eben 2000 Jahre früher; so kann er das einstige Lagerleben virtuell erleben. Die technisch anspruchsvolle Software für dieses Projekt wurde von der Stiftung finanziert.

Im Jahr 2023 steht das Münsterland Festival unter dem Motto „Von 1000 Seen zu 100 Schlössern“, denn Finnland ist in diesem Jahr Gastland. Haltern am See gehörte zu den Austragungsorten, ermöglicht durch die Stiftung als Förderer. In der Kunsthalle Burkamp traf am 21. Oktober Tenorsaxophon auf Schlagzeug. Das ist das Erfolgsrezept des aktuellen Duoprojekts der Finnen Timo Lassy und Teppo Mäkynen. Eine klassische Formation, die auf den Spuren von John Coltrane und Rashied Ali wandert und die Stärken beider Musiker zu einer virtuosen Klangmischung vereint. Der Saxophonist, Komponist und Bandleader Timo Lassy gehört zu den größten Jazzstars, die Finnland im neuen Jahrtausend hervorgebracht hat. Der ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Teppo Mäkynen überzeugte am Schlagzeug. Im Programmbuch heißt es: „Als Duo gehen die Künstler über den kochenden Soul-Jazz hinaus, hin zu freiem Spiel und klanglichen Experimenten“.
Am 12. April 2023 wurde im LWL-Römermuseum ein neues Exponat enthüllt: das Haupt des Publius Quinctilius Varus, überlebensgroß und aus Gips - geschaffen von dem Künstler Dr. Wilfried Koch. Dank der Stiftung bereichert dieses ungewöhnliche Kunstobjekt nun die Dauerausstellung des LWL-Römermuseums in einem gesonderten Bereich. Das neue Ausstellungsstück ist ein 1:1 Arbeitsmodell für den Kopf der 2,30 m hohen Bronzeplastik „Der gescheiterte Varus“ im Kardinal-von-Galen-Park.
Römermuseum Haltern am See
Die Anerkennung des Niedergermanischen Limes als UNESCO-Welterbe war Anlaß, die Archäologische Landesausstellung NRW unter dem Leitthema „Roms fließende Grenzen“ auszurichten. Dieses groß angelegte Ausstellungsvorhaben wird an fünf Standorten realisiert; einer davon ist das LWL-Römermuseum in Haltern am See. Unter dem Titel „Rom in Westfalen 2.0“ bietet diese Ausstellung einen bereichernden Einblick in die römischen Eroberungsversuche im rechtsrheinischen Germanien. Die Stiftung leistete einen finanziellen Beitrag zu den Ausstellungskosten.
Das stadtgeschichtliche Museum Recklinghausen widmete dem bis dahin weitgehend unbekannten Kunstmaler Clemens Wolter (1875 – 1955) eine umfangreiche von Dr. Werner Koppe und Dr. Angelika Böttcher kuratierte Ausstellung. Damit wurde sein Werk erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der aus Lippramsdorf/Haltern stammende Künstler lebte in einer politisch, gesellschaftlich und künstlerisch bewegten Epoche. Sein künstlerisches Interesse aber galt der vorindustriellen Zeit, die er in seinen Bildern bewahren wollte. Seine Gemälde wirken daher fast biedermeierlich, wie aus der Zeit gefallen. Mit dem hochwertigen sehr informativen Katalog, den die Stiftung maßgeblich finanzierte, wird diesem bemerkenswerten Künstler ein Denkmal gesetzt.
Haltern am See, genauer gesagt der Silbersee II, sollte vom 08. Mai bis 27. Juni 2021 die Bühne für eine außergewöhnliche, städteübergreifende Open-Air-Ausstellung sein; coronabedingt verzögerte sich die Eröffnung leider um drei Wochen. Die Urbane Künste Ruhr präsentierte in dieser Zeit unter dem Titel Ruhr Ding: Klima die Ausstellung der Stunde, die die Erfahrungen mit der Pandemie mit künstlerischen Reflexionen zum Klimawandel verbindet. Die zumeist international tätigen Künstler beschäftigten sich kritisch mit den sozialen, ökologischen, regionalen sowie globalen Dimensionen von Klima und Klimawandel. Dies geschah mit Installationen, Skulpturen, Videoarbeiten, Performances, künstlichen Landschaften und schwimmenden Pavillons. Das Ruhr Ding: Klima zielte auf eine künstlerische Auseinandersetzung mit der von Menschen verursachten globalen Erwärmung und der gesellschaftlichen Lage, die diese Situation begleitet – als Ursache, Folge oder Reaktion. So besteht beispielsweise die Szenerie der Sandskulptur aus Lebewesen, Pflanzen und Gesteinen längst vergangener Zeiten, Resultat klimatischer Veränderungen; das lebensgroße Doppelportrait der beiden Künstlerinnen ist ein Zeichen der Vergänglichkeit, da nur aus Sand modelliert. Die Institution „Urbane Künste Ruhr“ ist Teil der Kultur Ruhr GmbH, deren Gesellschafter das Land NRW und der Regionalverband Ruhr sind. Der Ausstellungsteil am Silbersee II wurde gesponsert von der Stiftung.
Österreich war 2021 Gastland des Münsterland Festivals und Haltern am See war einer der vielen Austragungsorte, was die Stiftung als Förderer ermöglichte. Am 20. Oktober trat das Wiener Trio Cobario im ausverkauften Schloß Sythen auf. In dem Programmheft heißt es, diese Band sei Kult; wer dieses Konzert miterleben konnte, wird sich dieser Beurteilung gewiß anschließen. Ihre Musik berührt die Seele oder sie reißt mit. Das Trio gibt jährlich über 100 Konzerte weltweit; seit 2016 ist es offiziell im Auftrag des österreichischen Außenministeriums für weltmusikalische Verständigung unterwegs. Dem begeisterten Publikum boten diese Vollblutmusiker mit ihren Stücken einen kosmopolitischen Genre- und Stilmix. Für den tosenden Applaus und die Standing Ovations bedankten sie sich mit drei Zugaben.
© Ruhr Nachrichten, 22. Oktober 2021
Weltmusiktrio Cobario nahm Publikum im Schloss Sythen mit auf große Reise
Gut 90 Personen lauschten am Mittwochabend (20. Oktober) gebannt der Darbietung vom Trio Cobario aus Wien. Die drei Musiker traten im Rahmen des Münsterland Festivals 2021 im Schloss Sythen auf.
Das Wiener Weltmusiktrio Cobario konnte Christine Sörries, künstlerische Leiterin des Münsterland Festivals, am Mittwochabend im Schloss Sythen begrüßen. „Mit ihrer Weltmusik sind die drei Künstler typische Vertreter für ihre Heimatstadt“, sagte sie. So seien sie stets der Weltoffenheit Wiens mit allen multikulturellen Einflüssen ausgesetzt gewesen. „Als Trio zog es sie hinaus in aller Herren Länder, wo sie sich zudem mit den unterschiedlichsten Stilen und Musikrichtungen auseinandersetzten.“ Daraus hervorgegangen ist der heute unverwechselbare Stil des Ensembles.
Im Saal des Sythener Schlosses brachte das Trio unter anderem sein 2020 erschienenes Album „Weit weg“ zu Gehör. Passend zum Titel nahmen Herwig Schaffner (Geige), Georg Aichberger (Gitarre) und Jakob Lackner (Akustik-Gitarre) ihr Publikum mit auf eine musikalische Weltreise durch verschiedene Genres und Epochen.
In perfektem Zusammenspiel ihrer Instrumente entführten die Berufsmusiker die Hörerinnen und Hörer ins spannungsgeladene Straßenleben Spaniens, in das gediegene Ambiente Wiener Kaffeehäuser, in die weinende Seele des Balkans und beim Stück „Die sieben Weltmeere“ mal bei ruhiger See, mal bei hohem emotionalem Wellengang hinaus in alle Kontinente der Erde. Eindringlich, aber unaufdringlich war das virtuose Geigenspiel von Herwig Schaffner, grandios getragen von den beiden nicht minder professionellen Gitarristen.
Für die bunte Mischung aus Jazz, Klassik und Folklore mit andalusischen und orientalischen Einflüssen gab es am Ende des Abends gebührenden Applaus. Viele Besucher verließen die Veranstaltung mit „nachhaltigem Gänsehaut-Feeling“.
Christine Sörries lobte das Engagement des Ehepaares Masthoff von der gleichnamigen KulturStiftung Masthoff, deren Einsatz es zu verdanken war, dass dieser Programmpunkt des rund 40 Veranstaltungen und Konzerte umfassenden Kulturangebots des diesjährigen Münsterland-Festivals in die Seestadt kommen konnte.
Anja Bücker
Die Jahre 2016 bis 2020
Chris Kramer ist ein begnadeter Bluesmusiker, Entertainer und Geschichtenerzähler, eigentlich ein Multitalent. Sein Instrument ist die Mundharmonika. Über sie schrieb er eine Geschichte, die er gleich auch als Musical vertonte. Dieses Familienmusical soll aber nicht nur unterhalten, es bringt auch eine Botschaft rüber: Jeder ist etwas Besonderes, in jedem steckt mehr als er glaubt. Gemeinsam mit seinen Musikern und unterstützt von vielen Schulkindern führte Kramer sein Musical „Die kleine Mundharmonika“ an zwei Nachmittagen im Oktober 2016 in der vollbesetzten Aula des Schulzentrums in Haltern am See auf. Diese beiden Aufführungen wurden von der Stiftung vor allem deswegen gesponsert, weil sie zahlreiche Kinder durch die Proben und ihre Auftritte an die Musik herangeführt haben. Weitere Informationen im Internet unter: www.diekleinemundharmonika.de
© Ruhr Nachrichten, 31. Oktober 2016
Kleines Instrument liefert große Show
„In dir steckt viel mehr, als du denkst!“ – Der Schlusssong des rockigen Familienmusicals „Die Kleine Mundharmonika“ bringt noch einmal deutlich die Botschaft auf den Punkt: In Jedem steckt ein Potenzial, dass er für sich entdecken muss. Die Geschichte des kleinen Instruments, das große Talente in sich birgt, brachte Chris Kramer zwei Mal auf die Bühne in der Aula des Schulzentrums.
Schon am Samstag war die „Bude voll“. Rund 400 Besucher füllten die Aula (fast) bis auf den letzten Platz. Und dabei waren alle Generationen vertreten, wie bei der Familie Gerdes: Sohn Lenn feierte an diesem Tag seinen siebten Geburtstag. Da er aber mit seiner Klasse aus der Eichendorff-/Martin-Lutherschule auf der Bühne stand, waren seine Eltern André und Nina, seine kleine Schwester Enna und auch die beiden Großelternpaare Gerdes und Krönke gleich mitgekommen. „Das Stück ist klasse“, brachte Nina Gerdes die Meinung aller auf den Punkt. „Da ist wirklich für jede Generation was dabei. Wir haben uns gedacht, wir feiern einfach hier den Kindergeburtstag“.
Die Geschichte der kleinen Mundharmonika, die über den großen Teich auswandert und in Amerika die unterschiedlichsten Musikstile kennenlernt, bietet einen Mix aus Schauspiel, Tanz, Video-Animationen und natürlich ganz viel Live-Musik.
Am Anfang steht immer der Blues: Das ist Chris Kramers Botschaft, die er mit seinem Paradeinstrument, der Blues-Harp, immer wieder eindrucksvoll rüberbringt. Aber das kleine Instrument kann mehr. Es begegnet den Sklaven und lernt Gospel und Blues kennen, es trifft den Rock’ n Roll der Fünfziger, es begegnet Country, Rock und Soul. Dass die Mundharmonika sogar mit Rapper Dave Cybis und Beat-Boxer Kevin O’Neil harmoniert, dürfte wohl die meisten überrascht haben. Der Auftritt von Chris Kramer mit den beiden Musikern gehörte zu den umjubelten Höhepunkten im Programm. Den Schlusspunkt setzte eine junge Rock-Röhre, deren Stimmpotenzial immer wieder überrascht: Nina Zaborowski aus Marl wurde dort erst vor einem Jahr als 15-Jährige entdeckt. Schon heute steckt in ihrer Stimme so viel Power, dass man gespannt sein darf, wohin sie ihr Weg noch führen wird.
Zum Schluss hatte Chris Kramer eine lange Liste an Danksagungen abzuarbeiten: Namentlich erwähnte er neben seinem Team die Musikschulleiterin Verena Voß (von dort kam das Streicherensemble), das Studio Tanz Kreativ aus Marl, den Halterner Gospelchor „Nameless Joy“, Josef Löbbing von der Stadtagentur und die Kulturstiftung Masthoff, die das Projekt unterstützt hat. Zuletzt dankte er den mitwirkenden Schülern. Am Samstag kamen sie aus der Eichendorff-/Martin-Lutherschule und der Silverbergschule, am Sonntag wirkten Schüler der Dachsbergschule und der Grundschule Hullern mit. Sie sangen, spielten Mundharmonika und waren mit Rieseneifer bei der Sache. „In Haltern waren die Schüler besonders klasse“, fand Regisseurin Sina Weber. Das belohnten die Besucher mit stehenden Ovationen und einem lang anhaltenden Applaus.
Jürgen Wolter
Riesenspaß hatten ca. 630 Schüler Halterner Grundschulen, die am 29.11.2016 die beiden Aufführungen des Musikmärchens „ALLA TURCA oder Der Dirigent und sein Flaschengeist“ in der Aula des Schulzentrums erlebten. Die beiden Schauspieler Frank Dukowski und Marcell Kaiser sowie das Pindakaas Saxophon Quartett präsentierten ein heiteres Stück, in dem sie Musik und Story gekonnt miteinander verbanden. Die witzige Handlung wurde begleitet und akzentuiert durch schwungvolle Musik, die die Musiker selbst aus Kompositionen von Beethoven, Schumann, Schubert, Chick Corea, Rabih Abou-Khalil u. a. für dieses Musikmärchen arrangiert haben. Diese kindgerechte Vorstellung eröffnete dem jungen Publikum einen neuen Horizont, denn sie sahen und hörten, daß sich Orient und Okzident nicht immer fremd waren; sie erlebten die Wertschätzung unterschiedlicher Kulturen. Auch führte dieses Kindermusiktheaterstück auf spielerische Weise an die klassische Musik heran. Die Begeisterung der Kinder war enorm und gipfelte in allgemeinen Zugaberufen. Die Produktion dieses Kinderstücks, das in zahlreichen Städten zur Aufführung gelangt, wurde gefördert mit Mitteln des Landes NRW und der Kulturämter der Städte Münster und Duisburg. Die hiesigen Aufführungen ermöglichten die Stadt Haltern am See und die Stiftung.
© Ruhr Nachrichten, 30. November 2016
Von Haltern in den Orient
Grundschüler waren verzückt von „Alla Turca“ mit tausendundeiner Musik
Dirigent Franz von Stock ist empört: „Richtig sprechen kannst du nicht und außerdem bist du ein bandagierter Bruchpilot.“ Doch Flaschengeist Flitzmed rettet den Musiker mit der Reise auf dem Wohnzimmerteppich in den Orient aus einer Schaffenskrise. 630 Grundschüler fieberten mit und waren verzaubert von Musik und Witz.
„Alla Turca“ oder „Der Dirigent und sein Flaschengeist“ ist ein Musikmärchen mit orientalisch inspirierter, klassischer Musik von Mozart, Beethoven, Purcell, Schumann, Schubert, Albéniz, Nielsen und Ibert sowie Jazz- und Weltmusik von Chick Corea und Rabih Abou-Khalil. Das Pindakaas Saxophon Quartett mit Matthias Schröder, Anja Heix, Guido Grospietsch und Thorsten Floth sowie die Schauspieler Marcell Kaiser (gerade in Turin beim Filmfestival ausgezeichnet) und Frank Dukowski inszenierten das Märchen auf der Bühne der Schulzentrums-Aula. Die Kinder waren verzückt von rasantem, amüsantem Schauspiel mit tausendundeiner Musik – und extrem ansteckend in ihrer Freude.
Die Kulturstiftung Masthoff unterstützte die Aufführung in Haltern. Dr. Horstfried Masthoff erklärte vor Beginn der Aufführung seine Beweggründe: „Kinder werden spielerisch an die klassische Musik herangeführt. Damit kann man nicht früh genug anfangen.“ Vor allem sei es ein Erlebnis für die Kinder, Bühnenspiel live statt im Fernsehen zu erleben. Dr. Matthias Schröder hatte die Idee zu dem Projekt. „Der Westen und der Orient begegnen sich über Schauspiel und Musik. Das ist wunderbar und sehr unterhaltsam für die Kinder. Wir wollen sie mit Tempo und Witz unterhalten, nicht aber belehren.“ Partner wie die Masthoff-Stiftung seien dabei ganz wichtig, um Kultur zu den Kindern zu bringen.
Sechs Akteure standen auf der Bühne: Das hatte schon Stadttheater-Größe. Und Größe gewinnt am Ende auch Dirigent Franz zurück. Er muss vor Botschaftern spielen und dank seiner Reise mit dem quirligen Flaschengeist wird er von Zweifeln erlöst und vorzüglich inspiriert.
Elisabeth Schrief
"Mit den Augen hören" - Eine Fotoausstellung im Römermuseum
Mit einer Fotoausstellung beging die Stiftung ihr 15-jähriges Jubiläum. Impressionen der Konzertreihe "MUSIK IM RÖMERmuseum“ zeigte diese Ausstellung, die am 30. November 2016 im LWL-Römermuseum eröffnet worden war. Zwei Halterner Fotografen, Dr. Heinz-Dieter Oelmann und Dr. Peter Schmidt, die mit ihren Kameras seit Jahren den Musikern zauberhafte Momente „ablauschten“, hatten die brillante Idee hierzu. Mit an Bord nahmen sie den Gelsenkirchener Michael Döring, der diese Konzerte seit Beginn fotografisch begleitet hat. „15 Jahre KulturStiftung Masthoff, 50 Konzerte im Römermuseum sind wahrlich ein trefflicher Grund zu feiern“, freute sich der Stifter bei der Ausstellungseröffnung vor Beginn des Konzertes.
So waren es auch die Konzertbesucher, die als erste in den Genuß der mit der Kamera verlängerten Musikerlebnisse kamen. Das Fotografen-Trio Döring / Oelmann / Schmidt hatten über viele Jahre wiederholt jede Gelegenheit wahrgenommen, diskret mit ihrer Kamera ausdrucksstarke Bilder zu „komponieren“: die Musiker abseits eines glamourösen Lächelns für die Kamera, den Moment totaler Hingabe ans Spiel, ihr Eins-Sein mit dem Instrument, höchste Konzentration, die Dynamik der Musik, die ihre Gesichtszüge widerspiegelt, die überbordende Freude über rauschenden Applaus und „standing ovations“. Eine Auswahl von 60 überwiegend großformatigen Bildern gab einen repräsentativen Überblick und einen reizvollen Einblick in diese besondere Konzertreihe. Wer sich in diese Fotomomente verguckt hatte, weil sie in seinen Ohren die Musik bestimmter Konzerte evozierten, konnte während der Ausstellung diese Fotografien erwerben und so die Stiftung finanziell fördern.
© Ruhr Nachrichten, 02. Dezember 2016
Zauberhafte Momente der Kammermusik
Fotografentrio zeigt ausdrucksstarke Motive von Künstlern
Die zahlreichen Besucher des 50. Kammermusik-Konzertes am Mittwoch im Römermuseum hatten ein Privileg: Sie konnten vor Konzertbeginn von „Max Volbers & Friends“ als erste die eröffnete Fotoausstellung von Dr. Peter Schmidt und Dr. Heinz-Dieter Oelmann aus Haltern sowie Michael Döring aus Gelsenkirchen in Augenschein nehmen - und damit Musik nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit den Augen wahrnehmen.
Zum 15-jährigen Bestehen
„Mit den Augen hören, das war die spontane Aussage meiner Frau beim erstmaligen Betrachten der einfühlsamen Fotos des Fotografen-Trios“, sagte Dr. Horstfried Masthoff in seiner Eröffnungsansprache im Foyer. Die von ihm am 24. September 2001 ins Leben gerufene „KulturStiftung Masthoff“ nahm ihr 15-jähriges Bestehen und das 50. Jubiläumskonzert zum Anlass für die „mit der Kamera verlängerten Musikerlebnisse“.
Auf vier Stellwänden hatten die beiden Halterner Fotokünstler Schmidt und Oelmann – im beruflichen Leben als Ärzte eher mit der Heilkunst befasst – sowie der beruflich als Bank- und Finanzkaufmann profilierte Fotokünstler Michael Döring aus Gelsenkirchen, „zauberhafte Momente der Kammermusik-Konzerte“ aus vielen Jahren gemeinsam zusammengestellt – als eigene Komposition. “Das jeweilige Stilmittel und die Motivauswahl ergeben sich meist situativ; auch höre ich dazu auf die Empfehlungen meiner Frau“, erläuterte Michael Döring.
Die ausdrucksstarken Bilder von den Musikern wurden mit der Kamera diskret in Momenten der Hingabe an ihr Musikspiel und an ihre Instrumente erstellt, oft nur mit wenigen Details als Bildausschnitt, sodass der Bildbetrachter den Nachklang der Töne zu hören vermeint.
Mit Musik erfreuen
„Die Betrachter können die Bilder dieser Ausstellung meistbietend käuflich erwerben“, verkündete Dr. Masthoff. „Der Erlös wird der Kulturstiftung zufließen, damit diese auch weiterhin Freunde der Musik im Römermuseum erfreuen kann.“
Walter Neurohr
Einmal im Jahr findet seit 26 Jahren das „Internationale Gitarren-Festival Iserlohn“ statt. Es ist das bedeutendste Festival für klassische Gitarre in Europa. Ein Teil dieser Veranstaltung ist das Gitarrensymposium in der evangelischen Bildungsakademie „Haus Villigst“ in Schwerte. Dort werden eine Woche lang 250 Gitarrenschüler unterschiedlichen Alters und verschiedener Spielstärken aus aller Welt von Spitzengitarristen unterrichtet. Ein intensives Begleitprogramm rundet diese Seminarwoche ab. 2017 fand das Symposium in der Zeit vom 23. bis 30. Juli statt. Die Stiftung ermöglichte einem jungen Gitarrenspieler aus Haltern am See die Teilnahme an dieser anspruchsvollen Veranstaltung.
© Halterner Zeitung, 26. August 2017
Gast bei den weltbesten Gitarristen

Mischa Feizi spielt seit neun Jahren Konzertgitarre. Einen ersten Solo-Auftritt vor größerem Publikum hatte er im Alten Rathaus zur Eröffnung der Kunstausstellung „Rom – Spuren der Zukunft“. Dass im Publikum jemand saß, der eine besondere Affinität zur Kultur und zur Musik im Speziellen hat, traf sich für ihn wunderbar.
Dr. Horstfried Masthoff war so angetan vom Spiel des 17-Jährigen, dass er ihm eine Teilnahme am 26. Internationalen Gitarrensymposium anbot. „Ich habe gemerkt, dass Mischa sein Instrument richtig liebt. Deshalb wollte ich ihm eine Entscheidungshilfe bei der Frage geben, ob es tatsächlich das Instrument seines Lebens ist“, erklärte Dr. Masthoff auf Nachfrage die Beweggründe, Mischa Feizi zu unterstützen. Über seine Kulturstiftung finanzierte er die Teilnahme; die Eltern des Gymnasiasten trugen selbst auch einen Anteil zu den Kosten bei.
Beim Gitarren-Festival, das zu den größten weltweit zählt, trafen sich die weltbesten Musiker mit 250 Schülern unterschiedlichen Niveaus. Unterricht, Meisterkurse, Vorträge, Ausstellungen von Gitarrenbaumeistern, Fingerübungen, Konzerte – die Tage waren prall gefüllt. „Es hat mich sehr gefreut, dass Dr. Masthoff mir die Chance zur Teilnahme gegeben hat“, sagt Mischa Feizi nach dem Festival und einem Urlaub jetzt gegenüber der Halterner Zeitung. Er spiele mit großer Leidenschaft die Konzertgitarre. Die vielen Eindrücke und Begegnungen mit den Weltstars der Gitarre während dieser einen Woche hätten ihn schwer beeindruckt. Er habe Kontakte mit sehr vielen Gitarristen aus aller Welt geknüpft und auch neue Freunde gewonnen. Zusätzlich hätte ihn der Unterricht mit einigen der weltbesten Gitarristen in seiner Freude und in seiner Fähigkeit, Gitarre zu spielen, sehr weitergebracht und in der Wahl des Instrumentes bestärkt. Besonders faszinierten ihn die Solokünstler Jorge Caballero und Thibaut Garcia sowie das Duo Tamayo & Montesinos.
Austragungsort des Gitarrensymposiums war Haus Villigst in Schwerte - einst Rittergut, heute zentrale Bildungsakademie der Evangelischen Kirche. „Gern hätte ich Mischa“; so Dr. Masthoff, „ in dem dortigen, an der Ruhr gelegenen Park getroffen. Ich hatte mir vorgestellt, ihn und seine Seminar-Mitstreiter unter den mächtigen Blut- und Trauerbuchen Gitarre spielend vorzufinden. Der Landregen an diesem Tag verhinderte jedoch diese Idylle. Schließlich erspähte ich Mischa, auf Treppenstufen im Foyer sitzend, beim Fachsimpeln mit einem älteren Seminarteilnehmer.“
Mischa Feizi wird weiter Gitarre spielen und Unterricht an der Halterner Musikschule bei Jürgen Saalmann nehmen. Aber nach dem Abitur im nächsten Jahr wird er ein wirtschaftswissenschaftliches Studium aufnehmen. Ohne jedoch die Gitarre beiseite zu legen. Zu hören ist der junge Musiker am kommenden Sonntag (27. August) im Schloss Sythen. Der 17-Jährige gibt vor dem Auftritt des Mandolinenduos Lichtenberg/Marshall ein kleines Gastspiel. Mischa Feizi spielt die Fuge in a-Moll von Bach und wird sicherlich die Seelen berühren wie beim Auftritt im Alten Rathaus.
Elisabeth Schrief
Vornehmlich sind es die Bewohner, die einer Stadt unverwechselbare Züge geben, sie lebens- und liebenswert machen. Diese Einsicht war für Eva Masthoff und Wolfgang Koehler das Motiv, ihrer Stadt eine Liebeserklärung in Buchform zu machen. Für die „Jahrgangsperlen“ haben sich 45 Menschen aus Haltern am See erinnert und geöffnet. Heitere, melancholische, spannende und berührende Geschichten über Leben und Erleben, Traum und Trauma, Anekdoten und Dönekes, Erinnerungen sowohl an die gute Zeit als auch an Schreckenstage hat Eva Masthoff nacherzählt, nachempfunden und aneinandergereiht. Nach manchen „Jahrgangsperlen“ wurde getaucht, einige lagen auf der Straße, andere auf dem Markt. Der Fotograf Wolfgang Koehler zeigt die Gesichter hinter diesen Geschichten. Es mag sein, daß sich der eine oder andere Leser in einer Geschichte wieder findet und entdeckt, wie eng die Leben und Geschichten miteinander verwoben sind. Auch das, gerade das, macht ja den Zauber einer kleinen Stadt aus.
Die Vorstellung des Buches, wofür die Stiftung den Werbeetat gerne aufgestockt hat, erfolgte am 24. August 2017 vor großem Publikum in den Räumen der Volksbank Haltern.
Die „Jahrgangsperlen“ sind als gebundene Ausgabe im OCM-Verlag, Dortmund, erschienen und im Buchhandel zum Preis von 16,50 € erhältlich: ISBN 978-3-942672-55-9
Am 30. September 2017 wird das Lea-Drüppel-Theater in Haltern am See eröffnet. Dazu wurde mit großem finanziellen Aufwand und ungeheurem persönlichen Einsatz ein altes Kino umgebaut, um eine Begegnungsstätte für musik- und theaterbegeisterte Menschen zu schaffen. Dahinter steht die Idee, Jugendlichen unter professioneller Führung Musik und Bühnenspiel nahe zu bringen. Sie sollen so ihre eigenen Kräfte entdecken und Freude an kreativem Tun spielend und spielerisch entwickeln.
Die Namensgeberin gehört zu den Halterner Opfern des tragischen Flugzeugabsturzes am 24. März 2015. Lea liebte die Musik, das Schauspiel und über alles den Gesang; seit frühester Jugend wirkte sie in verschiedenen Chor- und Musicalprojekten mit. Es war ihr innigster Traum, ein eigenes Theater zu führen. Ihre Mutter Anne Drüppel verwirklicht nun mit einigen Mitstreitern und vielen Unterstützern diesen Traum ihrer Tochter. Es ist ihre Art mit ihrer Trauer positiv umzugehen und auf diese Weise das Andenken an Lea, auch stellvertretend für die anderen Opfer, zu bewahren. So kann sie nun wieder einen Regenbogen sehen im Sinne des Lebensmottos ihrer verstorbenen Tochter: „There’s no rainbow without rain.“ Gerne sponsert die Stiftung dieses großartige, wenn auch durch eine Katastrophe ausgelöste Projekt.
Seit 2007 lädt der Lippeverband zusammen mit seinen Partnern jährlich zum Fotowettbewerb „Foto-Expedition Lippeland“ ein. Er findet im Drei-Jahres-Turnus in jeweils drei in der Lipperegion gelegenen Städten statt. Die jeweilige Themenliste ist so aufgebaut, daß die Teilnehmer die Stadt und ihre Umgebung erkunden und auch unter anderem Blickwinkel neu erleben müssen. Dabei steht nicht die technische Perfektion der Fotos im Vordergrund, sondern die Kreativität der Fotografen. So geht es z. B. um die kreative Umsetzung von Themen wie: „Lippe-Traum“, „Auf den Spuren der Römer“ oder „Typisch mein Haltern“. Die Gewinner erhalten Geldpreise in Höhe von insgesamt 3.000,00 €. Im September 2018 wurde dieser originelle Wettbewerb, den die Stiftung erneut finanziell unterstützte, zum zweiten Mal in Haltern am See mit wieder sehr großer Resonanz durchgeführt.
Die Verleihung der Preise fand am 19. Dezember 2018 in der Aula des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern am See statt.
In der Schauburg in Gelsenkirchen fand am 7. Oktober 2018 die Premiere eines ungewöhnlichen Films statt. Dieser Film ist deswegen so ungewöhnlich, weil er das Kino selbst, genauer gesagt die Kinokultur im Ruhrgebiet, zum Thema hat. Seit über 100 Jahren gibt es hier Kinos; in den 1950er Jahren waren es über 500, heute sind es nur noch ca. 50. Sie bildeten einen festen Bestandteil der Alltagskultur und boten vielen Generationen Unterhaltung, Zerstreuung und Information. Trotz enormer technischer Veränderungen ist aber die Magie des Kinos bis heute geblieben: ein kollektives Seherlebnis in einem verdunkelten Raum. Der Dokumentarfilm „HEIMATKINO“ führt durch die Geschichte der Filmtheater und vermittelt diese besondere Faszination des Kinoerlebnisses. Er wurde i. A. des LWL-Medienzentrums von der Firma „Benda Film“ produziert. Das Ergebnis ist eine wahre Liebeserklärung an das Kino als kultureller Ort. Da es in Haltern, das ja seit 1929 politisch zum Ruhrgebiet gehört, bis in die 1960er Jahre hinein zwei große Lichtspielhäuser gab, konnte die Stiftung dieses schöne Projekt sponsern.
Der russische Komponist Grigori S. Frid schuf 1972 eine Kammeroper auf der Grundlage des Tagebuchs von Anne Frank. Der junge Regisseur Ruben Michael inszenierte diese Monooper für das Lea-Drüppel Theater und bot mit der Premiere am 20. Oktober 2018 eine beeindruckende und packende Aufführung. Die Sopranistin Paula Rohde verkörperte dabei ebenso eindringlich wie glaubwürdig die Emotionen, Sehnsüchte und Ängste der 13jährigen Anne.
Diese erste eigene Opernproduktion wurde von der Stiftung großzügig gefördert.
Im Februar 2019 konnten ca. 800 Grundschulkinder in zwei Vorstelllungen in der Aula des Schulzentrums die „Zauberhafte Welt des Herrn Alexander“ erleben. Akteure dieses Musiktheaters waren das Pindakaas Saxophon Quartett und der Schauspieler Frank Dukowski. Ihr Projekt nennt sich „Klassik für Kids“ und umfaßt mehrere Stücke. In etwa 60 Schulvorstellungen jährlich wird Kindern im Grundschulalter klassische Musik spielerisch nähergebracht. In diesem Stück geht es um den berühmtesten Zauberkünstler des 19. Jahrhunderts, den 1819 in Münster geborenen Alexander Heimbürger. Unter seinem Künstlernamen „Herr Alexander“ bereiste dieser 10 Jahre lang Nord- und Südamerika; er trat selbst im Weißen Haus und im Kaiserpalast von Brasilien auf. Neben der Handlung war natürlich ganz wichtig die Musik von Schumann, Debussy, Dvořák, Villa-Lobos sowie Songs der Beatles. Die Stiftung hat diese von der Stadt Haltern organisierte Veranstaltung gerne finanziell gefördert.
Am 04.09.2019 enthüllten die Bürgermeister der Städte Haltern am See und Dülmen in einer Feierstunde eine Gedenktafel in Form eines Landschaftsfensters. Es befindet sich am Ufer eines ehemaligen Baggersees, der heute als Badesee (Silbersee II) genutzt wird. Bis vor 100 Jahren existierte auf diesem Areal von ca. 50 Hektar ein Kriegsgefangenenlager, das zu Beginn des ersten Weltkrieges errichtet worden war. Dieses Lager war eine Stadt in sich; so gab es sogar ein Theater mit 600 Plätzen, ein Orchester und eine Bücherei. Bis zu 10.000 Gefangene wurden hier zeitweilig untergebracht, die als Arbeitskräfte in den umliegenden Industriebetrieben eingesetzt worden waren. Dieses Landschaftsfenster soll nicht nur an den schrecklichen Ersten Weltkrieg erinnern, sondern auch bewußt machen, daß es immer noch in der Welt Kriegsgefangenenlager gibt.
Die Stiftung hat sich an der Finanzierung dieses Mahnmals beteiligt.
Das hat es auf Schloß Sythen noch nicht gegeben! Vier Jazz-Musiker aus vier Nationen boten im Rahmen des Münsterland Festivals am 08.11.2019 ein Konzert, das die Zuhörer förmlich mitriß; deren überschäumende Spielfreude steckte das Publikum geradezu an. Es herrschte eine Bombenstimmung im bis zum letzten Platz besetzten Saal. Musikalische Überraschungen und viel Abwechslung bot das münsterländisch-griechisch-georgisch-isländische Quartett. Christian Kappe, Athina Kontou, Reso Kiknadze und Kristján Tryggvi Martinsson stellten die jeweils von ihnen ausgesuchten Stücke vor und erläuterten die musikalischen Einflüsse ihrer Heimat. So wurde dieser Konzertabend zu einer einmaligen Klangreise durch vier Nationen. Als Kooperationspartner des Münsterland Festivals hat die Stiftung dieses tolle Konzert natürlich gesponsort.
© Ruhr Nachrichten, 11. November 2019
Ein einmaliges Musik-Quartett
Von den glasklaren sphärischen Klängen des nordischen Jazz zu den beschwingten Rhythmen des jamaikanischen Reggae: Das Münsterland Festival Quartett nahm die Besucher im vollbesetzten Saal von Schloss Sythen am Freitagabend mit auf eine faszinierende Klangreise.
Dieses Quartett spielte an diesem Abend zum ersten Mal in dieser Formation zusammen. Kennengelernt hatten sich die vier Musiker etwa 30 Stunden vorher. Und trotzdem – oder gerade deswegen – war dieses Konzert ein einmaliges Erlebnis.
Der westfälische Trompeter Christian Kappe, die griechische Bassistin Athina Kontou, der isländische Keyboarder Kristján Tryggvi Martinsson und der georgische Saxophonist Reso Kiknadze fanden sich zu einem Ensemble der Extraklasse zusammen. Jeder brachte aus seinem Kulturkreis Stücke in das Programm ein, das so zu einem spannenden Mix der Kulturen, Länder und Musikstile wurde.
Zum ersten Mal fand damit ein Konzert des Münsterland Festivals in Haltern statt. Das Festival wird alle zwei Jahre organisiert und bringt Musik und Ausstellungen in zahlreiche Städte und Regionen des Münsterlandes, vorzugsweise in historischen Gebäuden. In diesem Jahr fand es zum zehnten Mal statt – und zum ersten Mal war Haltern dabei.
Möglich gemacht hat dies die KulturStiftung Masthoff. Dr. Horstfried Masthoff hatte schon vor drei Jahren eine Kooperation mit dem Festival angestrebt. „Da war es aber zu kurzfristig, um noch eine Veranstaltung nach Haltern zu holen, aber diesmal sind wir dabei“, freute sich der Initiator, der sich mit der Kulturstiftung auch finanziell am Münsterland Festival beteiligt.
Zum Glück für die Besucher im ausverkauften Sythener Schloss. Einen so kreativen Musikmix hört man nicht alle Tage. Die vier versierten Musiker präsentierten mit großer Spielfreude eine Reise vom griechischen Klagelied über isländische Kinderlieder bis zum georgischen Blues, oft swingend und mit solistischer Perfektion.
„Auch für uns ist das eine spannende Sache“, verriet Christian Kappe im Pausengespräch. Was im Zusammenspiel auf der Bühne ohne lange gemeinsame Proben passierte, das entwickelte sich oft spontan und mit großer Kreativität. Der Funke sprang auf die Besucher über, die die Musiker nicht ohne Zugabe von der Bühne ließen.
Dass das Münsterland Festival in Haltern angekommen ist – das ist ein echter Gewinn. In zwei Jahren wird es, dank der KulturStiftung Masthoff, eine Fortsetzung geben.
Jürgen Wolter
Auch das Lea-Drüppel-Theater mußte Mitte März 2020 eine Corona-Zwangspause einlegen. Zu dieser Zeit befand sich das „Junge Ensemble“ in den Intensivproben für ihre Eigenproduktion „Momo? Greta? Wir!“; die beiden Kindergruppen „Story Kids“ und „Schnupperbühne“ standen unmittelbar vor ihrer Abschlußpräsentation. Doch eine Unterbrechung der Proben bis zum ungewissen Ende der Pandemie kam für alle Beteiligten nicht in Betracht. Man besann sich der digitalen Möglichkeiten und probte seitdem online. Diese Online-Proben fanden unter Beteiligung von Theaterpädagogen und Coaches im Bereich Schauspiel, Tanz und Gesang statt. Auf diese Weise ist nicht nur eine gewisse Kontinuität der Proben gewährleistet, sondern es ermöglicht auch den kreativen Austausch innerhalb der Gemeinschaft, denn „Theater ist Gemeinschaft“. Dies verursacht natürlich nicht unerhebliche Kosten, woran sich die Stiftung gerne beteiligte, da das Theater z. Zt. ja keine Einnahmen erzielen kann. Die Kinder und Jugendlichen freuen sich darauf, hoffentlich bald wieder vor Publikum spielen zu können.
Rolf Behlert, Autor und Maler mit der Kamera, hat seine jahrzehntelangen Begegnungen auf Augenhöhe mit der Natur in einem Bildband gebündelt: die stille Schönheit des südlichen Münsterlandes, die Region um Haltern am See zwischen Dorsten, Dülmen und Recklinghausen mit ihren Seen, Moor- und Heidelandschaften. Die einfühlsamen, von einer großen Nähe zur Natur zeugenden, kenntnisreichen Texte vertiefen die Aussage seiner (ca. 150) Bilder. Ob Flora und Fauna im Naturpark Hohe Mark rund um die Halterner Seenplatte oder das Naturschutzgebiet Westruper Heide, was immer Behlert in besonderen Augenblicken des Schauens mit seiner Kamera eingefangen hat, ist eine einzige Liebeserklärung an seine heimische Naturlandschaft. Lassen Sie sich entführen! Gemeinsam mit der Volksbank Südmünsterland-Mitte e. G. unterstützte die Stiftung die Herausgabe dieses großartigen und begeisternden Sachbuches bzw. Bildbandes.
Damwerth Verlag, Münster & Rolf Behlert, Haltern am See, 1. Auflage, Münster 2020, ISBN 978-3-937183-31-0, 152 Seiten, mehr als 150 Fotos, 24,90 Euro
© Stadtspiegel Haltern, 05. November 2020
Faszinierende Streifzüge durch das südliche Münsterland
Rolf Behlert stellt seine erste Einzelveröffentlichung vor
Haltern. Es ist das erste Buch als Einzelveröffentlichung, in dem Rolf Behlert sein atemraubendes bildliches Schaffen mit unbändiger Lust am Erzählen vorstellt. Allerdings könnte er mit dem Inhalt seines Archivs ganze Regale mit seinen Bildbänden füllen, denn wohl nie wird sich das Auge seiner Kamera satttrinken.
Also, lassen auch Sie sich entführen! Behlert, Autor und Maler mit der Kamera, hat jetzt seine jahrzehntelangen Begegnungen auf Augenhöhe mit der heimischen Naturlandschaft, ihrer Fauna und Flora, in einem einzigartigen Buch gebündelt, das so viel mehr ist als ein Bildband oder Sachbuch. Es ist eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die eindringlich magische und pastorale Schönheit des südlichen Münsterlandes, die Region um Haltern am See zwischen Dorsten, Dülmen und Recklinghausen mit ihren Seen, Moor- und Heidelandschaften. Aus 152 Seiten vernimmt der Leser den Ruf „Geh einfach mal raus!“, denn das, was er in besonderen Augenblicken des Schauens der Fauna und Flora, etwa dem Naturpark Hohe Mark rund um die Halterner Seenplatte oder dem Naturschutzgebiet Westruper Heide abgelauscht hat, will er weitergeben und im Leser den Wunsch wecken, die heilende und beglückende Kraft der Natur an Leib und Seele zu erfahren. Behlert: „Man muss sich nur öffnen, sich einlassen auf das Abenteuer Heimat, genau hinschauen und hinhören, schmecken und ertasten!“
„Behlerts Naturfotografie“, schreibt Ulrich Grober, Journalist, Publizist und Autor von „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit“, in seinen Beitrag, „öffnet uns ein Fenster zu einem Raum, nämlich dem Nahraum vor unserer Haustür. Sie öffnet zugleich ein Fenster zu einer anderen Zeitordnung. Es ist die Zeit des Waldes, des Moores, des Wilden.“ Und Behlert-Kenner Hans van Ooyen, Autor und Fotograf, nennt den Halterner Naturschützer in seinem Vorwort einen Menschenschützer: „Das empfindliche Gleichgewicht des Lebens zu bewahren, ist kein Postulat für Sonntagsreden, sondern notwendige Voraussetzung für das Überleben der Menschheit. Weil Rolf Behlert diese einfache Wahrheit kennt, hat er sein Leben dem Naturschutz gewidmet.“
Mit einfühlsamen, von inniger Naturverbundenheit zeugenden Texten weiß Behlert seine bildliche Aussage zu vertiefen und überrascht zuweilen mit einem Hauch Exotik in der heimischen Natur. Ich denke da an das Foto von dem gigantischen, stark eisenhaltigen Sandbrocken am Nordufer des Silbersee 2, das stark an den felsigen Zugang zur Blauen Grotte von Capri erinnert. Mit gedämpften Blau- und Grüntönen macht er mit seiner Kamera das Lyrische, das Leise der heimischen Natur „hörbar“: ob sagenhafte, von Nebeln umspielte Heidelandschaft im purpurnen Gewand, vom Licht durchfluteter Wacholder, verwunschene, smaragdgrüne Wälder mit ihren Baumkathedralen oder sonnenbadende Graugänse vor blendend weißem Quarzsand. Dann ist es, als hätte die Natur für einen Augenblick den Atem angehalten. Behlert führt mit Wort und Bild(ern) an Kraftorte, wo der Zauber zwischen Mensch und Natur spürbar ist, wo das Verborgene im scheinbar Vertrauten sichtbar und erlebbar wird. Warnung! Dieses Buch macht heimatsüchtig und könnte auch dazu führen, dass viele, die es in die Fremde gezogen hat, scharenweise heimkehren. Vor diesen Nebenwirkungen wird ausdrücklich nicht gewarnt.
Eva Masthoff
Damwerth Verlag, Münster & Rolf Behlert, Haltern am See, 1. Auflage, Münster 2020, ISBN 978-3-937183-31-0, 152 Seiten, mehr als 150 Fotos, 24,90 Euro
© Halterner Zeitung, 7. November 2020
Spektakuläre Fotos: Rolf Behlert veröffentlicht sein erstes Fotobuch
Sieht man Naturdokumentationen im Fernsehen, so stehen meistens exotische Tiere und Landschaften im Fokus, die spektakuläre Bilder liefern. Daß solche Bilder auch direkt vor der Haustür entstehen können, das beweist das erste Buch des Halterner Naturfotografen Rolf Behlert.
„Rolf Behlerts Fotos sind auch spektakulär, aber ganz nah“, schreibt der Schriftsteller und Fotograf Hans van Ooyen im Vorwort zum neuen Buch, das jetzt unter dem Titel „Faszination Natur – Streifzüge durch das südliche Münsterland“ im Damwerth Verlag Münster erschienen ist. Der Großteil der Fotos sind rund um Haltern entstanden. Die Fotos werden ergänzt durch ein Essay von Ulrich Grober und ausführliche Erläuterungen von Rolf Behlert.
„Naturfotografen sind Menschenschützer“, so Hans van Ooyen weiter in seinem Vorwort. „Mit ihren Bildern erinnern sie uns daran, was wir verlieren werden, wenn wir nicht achtsam mit der Natur umgehen.“
Seit Jahrzehnten ist Rolf Behlert mit der Kamera in der Natur unterwegs, sitzt teilweise stundenlang im Versteck, bis ihm faszinierende Fotos gelingen, etwa von Eisvögeln am Fluß, von Silberreihern bei der Jagd oder von Uferschwalben am Silbersee.
Behlert arbeitete 13 Jahre bei der Wasag-Chemie und später bei der Kreisverwaltung Recklinghausen, zunächst im naturwissenschaftlichen Bereich, später im Naturschutz. Bei seinen jahrelangen Streifzügen sind viele tausend Fotos entstanden, die in seinem Archiv schlummerten, das er jetzt zu einem kleinen Teil geöffnet hat.
Türöffner zu der Veröffentlichung war seine Teilnahme in der Jury für die Foto-Olympiade Lippeland, die der Lippeverband in Haltern veranstaltete. Geleitet wurde der Wettbewerb damals von Hans van Ooyen, der bei der Sichtung der Bilder von Rolf Behlert erkannte, daß diese Bilder in die Öffentlichkeit gehören.
Möglich gemacht hat die Veröffentlichung jetzt die KulturStiftung Masthoff, die zusammen mit der Volksbank Südmünsterland-Mitte den Druck finanziell gefördert hat und den Münsteraner Damwerth Verlag für das Projekt gewinnen konnte.
Sie alle stellten das neue Buch jetzt in der Buchhandlung Kortenkamp gemeinsam vor, zusammen mit einem glücklichen und stolzen Rolf Behlert, der sich für die Unterstützung bedankte. Für ihn geht mit dem Buch ein lang gehegter Traum in Erfüllung.
„Klimaschutz ist kein Modewort“ schreibt Hans van Ooyen. „Naturfotografen wie Rolf Behlert wissen das, denn ihre genaue Beobachtung der Natur, die Voraussetzung für eindrucksvolle Tierfotos ist, lehrt sie an jedem Tag, wie sehr auf unserem Planeten alles von allem abhängt. Das empfindliche Gleichgewicht des Lebens zu bewahren, ist kein Postulat für Sonntagsreden, sondern notwendige Voraussetzung für das Überleben der Menschheit. Weil Rolf Behlert diese einfache Wahrheit kennt, hat er sein Leben dem Naturschutz gewidmet.“
Dem ist nichts hinzuzufügen, nur noch dies: Das Buch „Faszination Natur“ von Rolf Behlert umfaßt knapp 150 Seiten und kostet 24,90 Euro. Es ist im Buchhandel erhältlich und (nicht nur) ein tolles Weihnachtsgeschenk.
Jürgen Wolter
© Lokallust Haltern, 14. November 2020
"Faszination Natur - Streifzüge durch das südliche Münsterland“
Rolf Behlert stellt sein neues Buch vor
„Wer das Buch von Rolf Behlert gelesen hat, geht danach mit anderen Augen durch die heimische Natur,“ meint Dietmar Damwerth. Denn, so ist sich der Verleger des neuen Foto- und Sachbuchs sicher, der Fotograf und Autor Behlert eröffnet den Menschen einen ganz neuen Blick auf Mensch, Tier und Umwelt. Und damit hat er nicht Unrecht: Spektakuläre Aufnahmen, beeindruckende Stimmungen und fundiertes Fachwissen machen aus "Faszination Natur - Streifzüge durch das südliche Münsterland“ ein Buch der ganz besondere Art. Fein recherchiert und mit einem Blick für wundervolle Details, zeigt Rolf Behlert, wie schön es direkt vor unserer Haustür sein kann.
Auch Förderer Dr. Horstfried Masthoff, der das Buch mit seiner KulturStiftung Masthoff unterstützt hat, ist begeistert vom Endergebnis. „Hinsichtlich der kundigen Sachbeiträge und der Fotos ist es ein ganz hervorragendes Werk geworden,“ sagt er. Sein Engagement sowie die Tatkraft seiner Frau Eva Masthoff waren es auch, die Rolf Behlert unermüdlich motiviert haben. „Frau Masthoff war von Anfang an begeistert von meinen Fotos. Sie hatte auch den Anstoß gegeben, ein Buch daraus zu machen. Von der Idee bis zum fertigen Werk war es allerdings kein kurzer Weg. Aber immer, wenn ich den Mut verloren habe, war Frau Masthoff sofort da und hat mich wieder angeschubst,“ erzählt der Autor.
Anfang November war es dann soweit und er konnte sein erstes eigenes Buch in der Buchhandlung Kortenkamp vorstellen – natürlich unter Einhaltung aller Coronaschutzmaßnahmen und ohne große Feier. Zufrieden ist Rolf Behlert trotzdem: „An so einem schönen, sonnigen Tag mein erstes Buch in der Hand zu halten, ist schon etwas Besonderes. Darum kann ich nichts anderes sagen, als ein großes Dankeschön an alle, die mich unterstützt haben!“
Dr. Felicitas Bonk
Damwerth Verlag, Münster & Rolf Behlert, Haltern am See, 1. Auflage, Münster 2020, ISBN 978-3-937183-31-0, 152 Seiten, mehr als 150 Fotos, 24,90 Euro
Die Jahre 2012 bis 2015
"Pure Lebensfreude"
...so stellte es treffend eine Besucherin nach dem restlos ausverkauften Konzert am 16. Sept. 2012 im Schloss Sythen fest. In lebhaftem Kontakt zum Publikum entführte Karin Zimny mit ihrem Ensemble Tangolé die Zuhörer in die einzigartige Welt des Tangos. Das Quartett ließ den geheimnisvollen Zauber dieser Musik entstehen, in der sich Melancholie, Leidenschaft und Zärtlichkeit verbinden. Charmant und humorvoll, feurig und kühl zogen die Musiker ihr Publikum in ihren Bann und verführten es zum Schwelgen, Träumen und Erinnern; der Duft von Schellack schien durch den Raum zu wehen. Mit begeistertem Applaus dankten die Zuhörer für dieses besondere Musikvergnügen.
© Ruhr Nachrichten, 18. September 2012
Reise durch die Tangowelt
Obwohl das strahlende Spätsommerwetter vielleicht zu Aktivitäten im Freien eingeladen hatte, war das von der Kulturstiftung Masthoff getragene Konzert der Gruppe Tangolé im Schloss Sythen restlos ausverkauft.
Tangolé besteht aus Karin Zimny (Moderation und Gesang), Ruthilde Holzenkamp (Akkordeon), Andreas Privou (Piano) uns Norbert Hotz (Kontrabass). Die überaus charmante Sängerin der Band, stilecht mit Rock und Fächer ausstaffiert, entführte das Publikum gleich zu Beginn in die Welt des argentinischen Tangos: „Tanze die Nacht!“ Darauf gab sie einen kurzen historischen Überblick über die Entstehungsgeschichte des Tangos zwischen 1850 und 1900 und seine spätere Verbreitung in der ganzen Welt. Und so versprach sie den Zuhörern, sie auf eine Reise durch die Zeit und durch die Welt des Tangos mitzunehmen, alte Schellackschätzchen wiederaufleben zu lassen und bot den Tanzwilligen an, draußen zu tanzen. Die Band begann mit einem instrumental besetzten Tango des argentinischen Komponisten Astor Piazolla, dem der nach Angaben von Karin Zimny wohl weltweit am häufigsten gespielte „La Cumparsita“ des uruguayischen Komponisten Rodriguez aus dem Jahre 1916 folgte. Die vertrauten Klänge von „Roter Mohn“ animierten nun die ersten Zuhörer zum Mitsingen, das Angebot zu tanzen wollte aber dann auch bei den heißeren Rhythmen der nächsten Stücke niemand wahrnehmen, wenngleich man viele Füße zucken sah – auch nicht beim Tango Milonga des Polen Jerzy Peterburski in der deutschen Übersetzung wohlbekannt als „Donna Clara“. Hier bot Bassist Norbert Hotz ein wunderbares Solo, das in seiner launigen Art durchaus an Saint-Saens‘ „Karneval der Tiere“ erinnerte. Weiter ging die Reise unter „Blauem Himmel“ über Frankreich nach Italien, woher ursprünglich der überaus populäre „Kriminaltango“ stammt. Als letzteres Stück vor der Pause erklang eine originelle Komposition für Kontrabass und Piano aus der Feder der Sängerin.
Nun führte die musikalische Reise nach Österreich, in die „Kleine Konditorei“, gefolgt von einem mit toller Dynamik und herausragendem Akkordeonspiel dargebotenen Tango aus Holland. Piazollas mitreißendem „Libertango“ schloss sich das gefühlvoll vorgetragene „Bésame mucho“ an und sogar der hohe Norden, Dänemark, konnte mit „Jealousy“ Station auf der Tangoreise sein. Die meisten Interpretationen sang Karin Zimny auf deutsch, aber ihre sprachliche Gewandtheit umfasste auch das spanische „Por una Cabeca“ und reichte bis zu einem auf finnisch gesungenen Tango. Für den rauschenden Beifall bedankten sich die Künstler mit mehreren Zugaben. Den Abschluss bildeten die „Caprifischer“.
Heidi Siegel
Der Schachverein Königsspringer Haltern am See e.V. feierte im Jahre 2012 sein fünfzigjähriges Bestehen. Dies war der Anlass für eine sehr bemerkenswerte Ausstellung in der Stadtbücherei Haltern in der Zeit von November 2012 bis März 2013. Zu dieser Ausstellung erschien ein reich illustriertes Begleitbuch mit einem Umfang von 170 Seiten, worin das weite Thema Schach in neun Beiträgen unter verschiedenen Aspekten behandelt wird. Dieses inhaltlich reiche und auch schöne Buch Halterner Schachspiegeleien förderte die Stiftung finanziell. Ausstellung und Buch sind in der Schachwelt mit großem Lob bedacht worden: Ken Whyld Association for the Bibliography and History of Chess.
Im Dezember 2012 veröffentlichte Helmut Achterfeld sein Buch Wir Kinder am Bahndamm. Was er bescheiden als Kindheitserinnerungen beschreibt, ist in Wirklichkeit eine Chronik des Bereichs rund um den Bahnhof von der Recklinghäuser Straße bis hin zum Annaberg während der Zeit zwischen den späten 30er und den frühen 50er Jahren. Als damaliger Bewohner des „Negerdorfes“ war er mitten drin. Als Zeitzeuge schuf der Autor ein für die Halterner Stadtgeschichte wichtiges Dokument. Die Stiftung beteiligte sich an den Kosten dieses Buches, das auf seinen 180 Seiten zahlreiche historische Aufnahmen enthält.
Im November 2013 stellte die Autorin Dr. Ulrike Migdal in einer gemeinsam mit der Stadtbücherei Haltern am See veranstalteten Matinee ihr Buch „Ilse Weber – Wann wohl das Leid ein Ende hat“ vor. Es war eigentlich eine Lesung, aber mehr noch eine ergreifende und packende Darstellung des Schicksals von Ilse Weber. Diese tschechische Schriftstellerin (geb. 1903 – gest. 1944) schrieb Kinderbücher, kleine Theaterstücke und Hörspiele für Kinder. Im Februar 1942 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie als Oberschwester in der Kinderkrankenstube arbeitete. Sie verfasste hier 76 äußerst berührenden Gedichte und Lieder; berühmt wurde: „Ich wandre durch Theresienstadt“. Diese Gedichte vermochten ihre Mitgefangenen aufzurichten und ihnen Mut zu machen. Durch eine Verkettung vieler Zufälle wurden auch ihre Briefe gefunden, worin die deutschsprachige Jüdin ihr Leben in Mähren und den Terror des Nationalsozialismus eindrucksvoll schildert. In einem ausführlichen Nachwort zeichnet Migdal die Lebensgeschichte Ilse Webers nach.
Ulrike Migdal thematisiert seit vielen Jahren in ihren Büchern die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Systems anhand von Einzelschicksalen. Die freie Schriftstellerin studierte zunächst Philosophie, Geschichte und Musik. Nach der Promotion 1979 erhielt sie Forschungs- und Lehraufträge in Deutschland und New York. Ihre Gedichte, Erzählungen, Essays, Hörspiele und Theaterstücke wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter der Politik- und Kultur-Journalistenpreis des Deutschen Kulturrats.
© Ruhr Nachrichten, 18. November 2013
Leise und ausdrucksvoll
"Wann wohl das Leid ein Ende hat" ist eine Gedichtzeile aus einem Gedicht der 1944 in Auschwitz ermordeten Kinderbuch- und Hörspielautorin Ilse Weber und der Titel eines Buches über sie . In ihm widmet sich die Autorin Ulrike Migdal den durch eine Verkettung seltsamer Zufälle aufgefundenen Briefen und Gedichten, die die Zeit des zunehmenden nationalsozialistischen Terrors in der tschechischen Heimat der Dichterin und später im Lager Theresienstadt zum Inhalt haben.
Zu dieser Matinee hatte die Stadtbücherei Haltern und die Kulturstiftung Masthoff eingeladen und zahlreiche Interessierte waren gefolgt, um den leise und eindrucksvoll vorgetragenen Ausführungen Ulrike Migdals zuzuhören. Zu Beginn lauschte man dem "Brief an ein Kind", ein Gedicht, das Ulrike Migdal zuerst als von einer unbekannten Autorin verfasst in einer Anthologie über Theresienstadt veröffentlicht hatte. Dieses Gedicht, von einer Überlebenden aus dem Gedächtnis zitiert und nie abgeschickt, galt dem Sohn Ilse Webers, Hanuš, einem schwedischen Journalisten, der sich kurz darauf bei Ulrike Migdal als eigentlicher Adressat des Gedichtes meldete. Er übermittelte ihr später auch Briefe und weitere Gedichte; die Briefe stammten aus England, wo die engste Freundin Ilse Webers gelebt hatte und die Gedichte und Lieder hatte der Vater Wilhelm Weber vor seinem Abtransport aus Theresienstadt dort eingemauert und auf abenteuerliche Weise auch wieder aus ihrem Versteck befreit. Ulrike Migdal verglich die Arbeiten an ihrem Buch mit den Mühen eines Archäologen, der sich von Schicht zu Schicht tiefer grabend dem Kern seiner Suche nähert. So stammte ein Teil ihrer Informationen vom über hundertjährigen Bruder Ilse Webers, der seinerzeit nach Palästina ausgewandert war. Das oben erwähnte "Gedicht an ein Kind" beschäftigt sich mit dem Abschied vom damals 8jährigen Sohn, der im Zuge einer Rettungsmaßnahme für jüdische Kinder, die ein Börsenmakler namens Wanton initiiert hatte, zu ihrer Freundin gelangt war, die ihn später nach Schweden zur Großmutter (Mormor) mitnimmt. Die Briefe an die Freundin , in denen sie klar und hellsichtig die sich zuspitzenden Verhältnisse analysiert, unterscheiden sich radikal von den optimistisch wirken sollenden an ihren Sohn. In Theresienstadt stürzt sich Ilse Weber voller Empathie in ihre Arbeit als Kinderkrankenschwester, betreut ihre Schützlinge - und nicht nur die - mit dem, was sie geben kann: Nahrung für die Seele, mit Gedichten und Musik. Ulrike Migdal schildert sehr eindringlich die unglaubliche Perfidie der Vorgaukelung humaner Zustände in einem "Siedlungsgebiet für Juden", die die Nationalsozialisten mit ihrem Vorzeigelager Theresienstadt verfolgten und nennt dies die Geburt der Holocaustlüge inmitten des Holocaust. Besonders ergreifend war dann die Beschreibung des Todes von Ilse Weber: ein zu Totengräberarbeiten verurteilter Ausschwitzüberlebender , der sie und den Vater Wilhelm Weber kannte, schildert ihm die letzten Augenblicke vor der Vergasung. Ilse Weber war freiwillig mit "ihren" Kindern nach Ausschwitz gegangen und hat mit ihnen gesungen, bevor sie mit ihnen ermordet wurde. Das Leben der Ilse Weber gibt Beispiel, wie ein einzelner seinen Weg im Kampf um den Menschen als Kulturwesen gehen kann, indem er das Grauen beim Namen nennt, sich aber von ihm nicht überwältigen lässt.
Heidi Siegel
Gerne hat die Stiftung die Basisfinanzierung für ein fabelhaftes Buchprojekt der Volkshochschule Dülmen – Haltern am See – Havixbeck übernommen. Zusätzlich hat Eva Masthoff zahlreiche Firmen, Geschäftsleute und Privatpersonen als Sponsoren gewinnen können. Die Rede ist natürlich von dem illustrierten Lesebuch zum 725jährigen Stadtjubiläum: Schenk deiner Stadt eine Geschichte. Es ist ein „ Muss“ für alle, die Haltern lieben, ob sie dort leben oder in die Ferne gezogen sind. 27 Autoren erinnern darin an die „gute alte Zeit“, erzählen aber auch Geschichten von heute, schreibt doch das „Heute“ Geschichte von Morgen.
„Die Bandbreite der bearbeiteten Themen ist unglaublich vielfältig“, schreibt Tanja Steinhaus, Leiterin der VHS in ihrem Brief „Liebes Haltern am See“ (statt eines Vorwortes): „Es sind Geschichten über das Ankommen und Heimkommen, Geschichten über besondere Begegnungen und historische Ereignisse. Es sind nachdenkliche und anrührende, es sind spannende und heitere Texte. Es sind fiktive Erzählungen und Kurzgeschichten, Briefe, Gespräche, autobiographische Texte, Dokumentationen und Gedichte. Es geht um die Verbundenheit der Menschen mit- und untereinander, um Freundschaft und Zuneigung, aber auch um Umweltentwicklungen, Krieg und Fußball, um Städtepartnerschaften, Chöre und Doppelkopfrunden, um Männer aus Pappmaché, Bauernschaften und eben ... besoffene Schweine.“ Nirgendwo auch nur eine Spur von Heimattümelei.
Das aufwendig gestaltete Buch mit dem Titelbild von Wolfgang Koehler in einer Auflage von 800 Exemplaren ist mit seinem symbolischen Preis von 725 Cent verkauft worden. Am 18. Mai 2014 wurde das Buch von Tanja Steinhaus und der Projektleiterin Irene Stock als kollektives Geburtstagsgeschenk im Rahmen einer feierlichen Matinée Bürgermeister Bodo Klimpel überreicht.
Die von den Stadtarchiven der Partnerstädte Recklinghausen und Douai im Gedenkjahr 2014 konzipierte und erarbeitete Ausstellung mit dem Titel „Kriegszustand/Jours de Guerre“ demonstrierte auf lokaler Ebene, daß man sich jetzt gemeinsam einer Epoche erinnern kann, in der sich die Staaten Frankreich und Deutschland „erblich“ verfeindet gegenüber standen. Die Ausstellung zeigt nicht den Kriegsverlauf, sondern den Kriegsalltag, die Kriegswahrnehmung und die Schicksale der Soldaten und Zivilisten in diesen beiden Städten. Für die Kuratoren Dr. Matthias Kordes und seine französische Kollegin Pascale Bréemersch war es ein Anliegen, die unterschiedliche nationale Erinnerungskultur und die völlig andere Situation der beiden Städte im Ersten Weltkrieg deutlich zu machen und dadurch zu einem gemeinsamen europäischen Gedenken an die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ beizutragen. Diese Ausstellung, die in unveränderter Form zunächst in Recklinghausen und anschließend in Douai präsentiert wurde, ist ein deutliches Zeichen der Verbundenheit auf dem Fundament der deutsch-französischen Freundschaft. Die Bedeutung dieses Kooperationsprojektes macht die Tatsache deutlich, daß sie in Frankreich Teil der staatlichen Mission Centenaire 14–18 ist. Ein aufwendiger zweisprachiger Katalog begleitet diese außergewöhnliche Ausstellung. Gerne hat sich daher die Stiftung an den Kosten dieses grenzüberschreitenden Geschichtsprojektes beteiligt.
Die aus Haltern am See stammende Sarah Zagefka absolvierte ihr Studium der Malerei bei Prof. Karin Kneffel an der Akademie der Bildenden Künste in München. Als deren Meisterschülerin schloß sie ihre Ausbildung 2014 mit dem Diplom ab. Ihre Examensausstellung zeichnete das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultur, Wissenschaft und Kunst mit dem Debütantenpreis aus. Auf dieser Ausstellung basiert ein qualitativ hochwertiger Katalog, dessen Druck die Stiftung finanziell unterstützte. Er gibt einen Überblick über das bisherige Schaffen dieser Malerin, die sich auch bereits in zahlreichen Ausstellungen präsentieren konnte. Die Abbildungen machen deutlich, worum es der Künstlerin geht: sie sucht das Unsichtbare hinter dem vermeintlich Offensichtlichen; zu dieser Suche lädt auch der Katalog den Betrachter ein. Zagefka stellt eine „subjektiv wahrgenommene Realität“ dar, wie sie ihr künstlerisches Wirken selbst beschreibt.
Zum ersten Mal fand in Haltern am See die „Foto-Expedition Lippeland“ statt. Der Lippeverband veranstaltet seit dem Jahre 2007 gemeinsam mit verschiedenen, an der Lippe gelegenen Städten und deren Volkshochschulen diesen offenen Fotowettbewerb. Ziel dieser Wettbewerbe ist es, die teilnehmenden Fotografen zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der Fluß- Stadtlandschaft an der Lippe anzuregen. Dabei sollen sie auf ihrer Motivjagd die unaufdringliche Schönheit dieses Landschaftsraumes entdecken und mit der Kamera malen. Der Wettbewerb soll die Teilnehmer zur Spurensuche veranlassen, wobei nicht technische Perfektion, sondern Kreativität und Entdeckerfreude im Vordergrund stehen. Die Fotografen erhielten am Wettbewerbstag eine Liste mit 18 Themen, wozu jeweils ein Foto geschossen werden mußte. Diese Themen waren so gewählt, daß der Wettbewerbstag für die Teilnehmer zu einem Tag der Entdeckungen wurde. An dem Fotowettbewerb in Haltern am See nahmen 168 Fotografen im Alter von 12 bis 69 Jahren teil. Mit einer derartig großen Teilnehmerzahl hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Gerne hat die Stiftung dieses tolle Projekt finanziell unterstützt.
© Ruhr Nachrichten, 14. September 2015
Auf Motiv-Jagd in der Seestadt
„Die meisten haben die Figuren am Marktbrunnen fotografiert, ich hab’ aber zwei Bäume, die so aussehen, als ob sie sich mit einander unterhalten“, sagt Mats Treder. Der Siebtklässler vom Joseph-König-Gymnasium war zusammen mit Yousef Block bei der Fotoexpedition Lippeland am Samstag in und um Haltern unterwegs. „Stadtgespräch“ lautete das Thema für das erste Bild.
Kreativ mit der Aufgabe umgehen, das war der wichtigste Ansatzpunkt bei der Fotoexpedition, die der Lippeverband gemeinsam der Stadtagentur und der VHS und mehreren Kooperationspartnern zum ersten Mal in Haltern durchführte.
Mats und Yousef machten es richtig: Sie interpretierten ihre Aufgabe offen und entwickelten sofort jede Menge Ideen. 18 Fotomotive nach einer vorgegeben Themenliste mussten sie innerhalb eines Tages in Haltern und der umliegenden Landschaft fotografieren. „Stolpersteine“, „Baukultur“, „Zeitsprung“, „Kunterbunt“, „Sagenhaftes Haltern“ oder „Flussgeflüster“ lauteten einige der Aufgaben.
„Gaumenfreuden“ ließen sich die beiden Jungs beim Bäcker auf einem Tablett servieren: „Wir haben einfach gesagt, was wir am liebsten essen, das hat er uns zusammengestellt“, freute sich Mats. Zum Thema „Zeitsprung“ wanderten die beiden zum Gänsemarkt: „Hier gibt es ein ganz altes Haus, das neben einem neuen steht“, wussten sie. „Das wollen wir fotografieren.“ Für die Motive außerhalb der Stadt stand dann ein „Taxi“ bereit „Wir rufen meinen Vater an, der bringt uns dahin“, sagte Mats.
168 Teilnehmer – einzeln oder in Teams – machten mit. Sie reisten zum Teil aus dem Ruhrgebiet und dem Münsterland an.
Los ging es ab neun Uhr morgens am alten Rathaus, wo sich schnell eine Schlange über den halben Marktplatz bildete. Bevor die Anmeldungen begannen, wies der künstlerische Leiter des Wettbewerbs Hans van Ooyen noch einmal auf die Regeln hin: „Wichtig ist, die Bilder in der angegebenen Reihenfolge zu fotografieren. Wer das nicht beachtet, wird disqualifiziert.“
Anschließend schwärmten die Fotografen aus, und begaben sich auf ihre Pirsch. „Das ist unsere Challenge heute“, sagte Antje Bücker, die zusammen mit Max Brachtendorf und Pepe Schmidt als Team unterwegs war. Vierter im Bunde war Hund Paul, der auch mal als Fotomotiv herhalten durfte. Mache Fotografen legten akrobatische Einlagen hin, um eine ungewöhnliche Perspektive zum Beispiel von der Sixtuskirche einzufangen.
Nachmittags trudelten dann die Teams und Einzelfotografen wieder am alten Rathaus ein, um ihre Bilderserien abzugeben. “Es war toll, vor allem weil wir als Familie was zusammen machen und den ganzen Tag draußen sein konnten“, zog Antje Bücker ein positives Fazit, „aber es war auch anstrengend.“ Die Anweisungen nicht zu wörtlich nehmen, das war ihr Motto. „Rad am Fluss, das ist bei mir das Rad der Sythener Mühle und zum Thema Stadtbummel treten bei mir Schaufensterpuppen auf, in der Scheibe spiegelt sich das Stadtleben. Hoffentlich ist das Bild was geworden“.
Am Schluss stand die Auswahl der richtigen Bilder, eine Entscheidung die manchem nicht leicht fiel. Jetzt warten alle gespannt auf die Entscheidung der Jury und die Preisverleihung Ende November in Haltern.
Jürgen Wolter
Orgelmusik auf höchstem Niveau erklang am 25. September 2015 in der St. Sixtus-Pfarrkirche. Clemens Ganz, ehemaliger Domorganist am Kölner Dom und Professor für Orgel und Orgelimprovisation an der Musikhochschule Köln, entlockte der Euler-Orgel Klänge, die so nicht häufig in dieser Kirche zu hören sind. So bot sich den Konzertbesuchern die Gelegenheit, das breite Klangspektrum dieser Orgel mit ihrer reichen Palette von Klangfarben zu erleben. Der international renommierte Organist spielte ein breitgefächertes Programm, das von Bach (natürlich!) bis Zsolt Gárdonyi reichte; dessen an Jazz erinnerndes Stück Mozart Change interpretierte er einfach mitreißend.
Die Stiftung veranstaltete dieses Konzert in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde St. Sixtus und Herrn Herbert Albers.
© Ruhr Nachrichten, 28. September 2015
Mit großer Einfühlsamkeit und Virtuosität
Prof. Clemens Ganz gab Orgelkonzert
Auch in diesem Jahr zum Fest der Kreuzerhöhung erfreute Prof. Clemens Ganz die Besucher der St. Sixtus-Kirche, die an diesem Markttag die Muße gefunden hatten, sich „ Zehn Minuten für Gott „ Zeit zu nehmen, mit außergewöhnlichen Orgelklängen.
Prof. Ganz, bis 1998 Professor für Orgel, Orgelimprovisation und Chorleitung an der Musikhochschule Köln und von 1985 bis 2001 Organist am Hohen Dom zu Köln, führte die Zuhörer kurz in sein Programm ein. Ein orgelmusikalischer Bilderbogen vom Barock bis zur Gegenwart begann mit der Orgelsonate Nr. 3 c-Moll op. 65 des französischen Organisten und Komponisten Alexandre Guilmant (1837 – 1911), der als Mitbegründer des französischen romantischen Orgelstils eingeordnet werden kann. Vom eleganten Beginn im Preludio über das wiegenliedhaft-melodiöse Adagio ging es zur Fuga, die, ihrer strengen Form genügend, dennoch schon mit gewisser Modernität in eine neue Zeit weist. Die nun folgenden Werke von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) bezeichnete Prof. Ganz als Höhepunkt des Konzerts, in ihnen sei auch der Bezug zum Kreuz zu finden. So stammen die beiden Orgelchoräle „Wenn wir in höchsten Nöten sein“, BWV 641, sowie „ Da Jesus an dem Kreuze stund“, BWV 621, aus einem Orgelbüchlein zur Verwendung im Gottesdienst und sind dem Fest Kreuzerhöhung zugeordnet. Toccata , Adagio und Fuge in C–Dur, BWV 564, stellten dann tatsächlich den unbestreitbaren Höhepunkt dar – hier erlebten die Zuhörer ein ganzes Feuerwerk kompositorischer Genialität, das der Künstler mit großer Einfühlsamkeit und beeindruckender Virtuosität zum Leuchten brachte. Schon die Fuge für sich mit ihren klar erkennbaren filigranen Strukturen offenbarte die Meisterschaft von Komponist und Interpret. Bei den folgenden Werken des schon ins 20. Jahrhundert hineinreichenden Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) aus den „Zwölf Charakterstücken op. 156“ das Stück „ Vision“ sowie aus „ Miscellaneen – Zwölf Orgelvorträge - op. 174“, das „ Agitato“, konnten sich die Zuhörer ganz den volltönenden Orgelklängen der mysteriös anmutenden „Vision“ oder dem angenehm bewegten „ Agitato“ hingeben. Im folgenden Programmpunkt kam dann eine Komposition des Organisten selbst zu Gehör, zwei Meditationen, Improvisationen des Künstlers über das Kirchenlied „ Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Die in Moll gehaltene erste Improvisation, in großer Eindringlichkeit changierend von einer gewissen Düsternis zu einem volltönend zuversichtlichen Schluss, die zweite in Dur stehende Meditation präsentierte sich sehr hell und tänzerisch. In seinem energischen und virtuosen Vortrag bewies Prof. Ganz hier sein improvisatorisches Können und gleichzeitig die schier unzähligen Möglichkeiten der kompositorischen Verarbeitung eines von Hause aus einfachen melodischen Materials. Für das Stück „Mozart Change“ des zeitgenössischen Komponisten Zsolt Gárdonyi (*1946), in dem er zwei Motive aus einer Mozartschen Klaviersonate verwendet und in ein Jazzstück transformiert, entschuldigte sich Prof. Ganz bei der Hl. Cäcilia; die aber hätte gewiss ihre Freude gehabt an dem ungemein mitreißenden kurzen Werk, dessen Charme nicht zuletzt auch darin lag, den Zuhörer ganz unbemerkt vom Mozartklang in die Jazzrhytmik zu entführen und wieder zurück zu Mozart. Das letzte Werk des Konzerts, komponiert vom französischen Organisten und Komponisten Louis James Alfred Lefébure-Wely (1817 -1869) nahm dann wieder explizit Bezug auf den kirchlichen Rahmen, entstammte es doch einer Sammlung liturgischer Orgelwerke zum Gebrauch für katholische Gottesdienste. „ Elévation ou Communion“ erklingt während der Wandlung bzw. der Kommunion; es ist entsprechend meditativ und melodiös gestaltet, geheimnisvoll und mit einem ganz zarten Ende. Das „Sortie“ dagegen, eine festlich intendierte Ausgangsmusik, entlässt dann die Zuhörer mit jubilierend-zuversichtlichen, strahlenden Akkorden.
Heidi Siegel
Die Jahre 2007 bis 2011
Die Reduzierung von Kosten durch Verlagerung der Produktion ins Ausland ist - wie auch in Haltern am See - ein aktuelles Thema. Mit den menschlichen Auswirkungen dieser wirtschaftlichen Zauberformel befaßt sich das Theaterstück "Schöne Eine Welt", das die Berliner Compagnie am 11. Oktober 2007 in der Aula des Schulzentrums aufführte. Dieses Projekt des "Eine-Welt-Kreises" förderte die Stiftung finanziell.
Im Dezember 2007 veröffentlichte Agnes von Kopp-Colomb ein Buch mit dem Titel "Mien Hölwker Land". In dieser umfangreichen, reich bebilderten Chronik erzählt die Autorin von Land und Leuten, Sagen und Bräuchen, Höfen und Häusern in der Absicht, die Vergangenheit der Ortschaft Holtwick dem Vergessen zu entreißen, und setzte damit ihrer Wahlheimat ein bleibendes Denkmal. Dieses sorgfältig recherchierte Heimatbuch ist in der Tat "eine literarische Liebeserklärung an Holtwick", wie es in dem Vorwort heißt. Gerne hat daher die Stiftung zusammen mit weiteren Förderern die Herausgabe des Buches finanziell unterstützt.
© Ruhr Nachrichten, 22. Dezember 2007
Chronik einer schönen Welt
Agnes von Kopp-Colomb dokumentierte das Leben der Holtwicker Familien
Agnes von Kopp-Colomb hat ihrer Wahlheimat Holtwick ein unvergleichliches Denkmal gesetzt. Sie hat, wie es Bernd Köster im Vorwort so wohlfrei definiert, das Hölwker Land, jenen „kleinteiligen Kosmos von nur wenigen Quadratmetern, eine schöne Welt, ein durch und durch von bäuerlicher Hand geschaffenes Universum“ in einem Buch beschrieben. Sie erzählt von den Menschen, den Sagen, den Bräuchen, der Landschaft und den technischen Errungenschaften auf den Höfen und füge 100 Fotos hinzu.
Wie eine Kriminalistin recherchierte sie, puzzelte Kleinteiliges zu einem Ganzen, suchte die Familien immer wieder aufs Neue auf, fragte, hörte zu, wühlte in Akten, Urkunden und Totenzetteln, sicherte Fotos.„Das Blättern nahm kein Ende mehr und nur einmal hat jemand, allerdings freundschaftlich, gesagt: Ach, Sie schon wieder!“, mit gutem Gespür für die Mentalität der Holtwicker, mit viel Respekt trug Agnes von Kopp-Colomb zusammen, was oft schon in der dritten Genreration verloren geht. Kalendarischer Fixpunkt war das Jahr 1847.
„Es war erstaunlich, wie mich die Holtwicker unterstützt haben“, insbesondere konnte sie sich immer wieder auf Hermann, Wilhelm und Manfred Bergjürgen und Heinz-Bernd Gerding sowie ihren Ehefrauen verlassen. Höfe und Häuser des unteren und oberen Holtwick und ihre 188 Bewohner kommen im „Hölwker Land“ vor. „Ich hatte viele nette Begegnungen“, entdeckte Agnes von Kopp-Colomb ihre Nachbarn neu. Und sie stellte fest, dass der Alltag der Holtwicker Bewohner es wert ist, festgehalten zu werden. In einem Zeitdokument hat sie, wie sie selbst sagt, „ die Holtwicker Vergangenheit dem Vergessen entrissen.“ Sie konnte es aus der Distanz der „Zugezogenen“ (1982 kauften Henning und Agnes von Kopp-Colomb das Haus am Heitkamp), völlig unbelastet von privaten Befindlichkeiten oder Werturteilen. Und sie kann sich noch begeistern für die sich mit der Zeit wandelnden alltäglichen Selbstverständlichkeiten. Agnes von Kopp-Colomb hat ein Jahr an ihrem Buch gearbeitet, zählt man die Nächte mit, waren es zwei. Ohne Unterstützung von vielen Seiten, angefangen bei ihrem Ehemann Henning, über die Holtwicker und schließlich Sponsoren wie die Kulturstiftung Masthoff hätte sie diese Chronik nicht schreiben können.
Den Erfolg teilt sie großmütig. Abzulesen ist das in der Autorenzeile: von Agnes von Kopp-Colomb mit tatkräftiger Mithilfe aller Holtwicker. Geschrieben hat sie das Buch aus dem Interesse an den Geschichten jener Menschen, die sie umgeben und einer Landschaft die – wie Bernd Köster sagt - mehr einem poetischen Winkel als einem technischen Getriebe gleicht.
Elisabeth Schrief
Das erste Ereignis von europäischer Bedeutung in unserer Region war die Varusschlacht. Der Erfolgsautor Thomas R.P. Mielke hat mit Blick auf den zweitausendsten Jahrestag dieses Desasters für das römische Imperium den ebenso unterhaltsamen wie spannenden Roman „Die Varus-Legende“ geschrieben. Sein Buch ist geprägt von historischem Respekt und menschlichem Interesse für den Mann, dessen Name die militärische Katastrophe trägt. Im November 2008 stellte Mielke seinen historischen Roman in einer Lesung auf Einladung der Stiftung und der Stadtbücherei vor.
© Ruhr Nachrichten, 25. November 2008
War Varus der Sündenbock?
Thomas Mielke schrieb, las und erzählte mit dichterischer Freiheit
Im feuchten Schatten des Hermannsdenkmals geboren, ist er zum Nestbeschmutzer geworden. Thomas Mielke "baute", was zuvor noch niemand gewagt hat, dem Verlierer Varus ein literarisches Monument. Die "Varus-Legende" will ein Zeichen von historischem Respekt und menschlichem Interesse für den Mann sein, dessen unerklärlicher Untergang der Schlacht ihren Namen gegeben hat. "Ich erzähle mit der gleichen dichterischen Freiheit wie zuvor schon Tacitus, Wieland, Klopstock, Kleist oder Hauptmann", erklärte er sich Sonntag bei der Lesung in der Stadtbücherei. Dorthin war der Berliner Autor historischer Romane auf Einladung der Kulturstiftung Masthoff, des Vereins für Altertumskunde und Heimatpflege, der Stadtbücherei und seines Fördervereins gekommen.
Die Handlung in seinem Buch siedelt Thomas Mielke auf zwei Ebenen an: Er erzählt die Geschichte des Varus in den ersten Jahren nach Christi Geburt und parallel ein mörderisches Vergehen im September 2009. Sonntag, während der gut besuchten einstündigen Lesung, beschränkte sich Thomas Mielke im Wesentlichen auf die Beschreibung des Varus als einem ernsthaften, einflussreichen, unbestechlichen Feldherrn, Politiker und überzeugten Römer.
"Zu den Protagonisten Varus und Arminius ebenso wie für den Ort oder den tatsächlichen Verlauf der Varus-Schlacht ist kaum etwas bewiesen oder verlässlich", sagte Mielke oder anders mit den Worten des Lipperländers: "Nichts Genaues weiß man nicht". So schwarz-weiß gemalt, wie Arminius als Befreier Germaniens und der unfähige Statthalter Varus zumeist darstellt werden, waren sie wohl beide nicht. Erstaunlich ist nur, dass ein zweitausend Jahre altes Ereignis mit den Namen des Verlierers und nicht dem des Gewinners in die Geschichte eingeht. Oder sollte ein nützlicher Verlierer als Sündenbock verdammt werden? Zustimmung im Publikum.
"Nichts bringt Menschen mehr an Geschichte heran als der historische Roman", dankte Büchereileiter Bernd Köster für den kurzweiligen Vormittag. Gerne hätten er und das Publikum noch einen Abstecher in die zweite Erzählebene unternommen. Denn da führt die kriminalistische Spurensuche nach dem Mörder von Epi Hoppmann mitten durch Haltern. Man muss auch schweigen können, kontert der Autor. Lesen Sie einfach: "Die Varus-Legende".
Elisabeth Schrief
Der Lippramsdorfer Willi Husmann veröffentlichte im Ardey-Verlag sein Buch „Van’t Höltken op’t Stöcksken“. Es handelt sich hierbei um eine Sammlung von 460 Sprichwörtern und Redensarten in plattdeutscher Sprache. Diese erläutert der Autor, erspürt ihren Hintersinn und erforscht ihren Ursprung (natürlich in Hochdeutsch). Das von dem Künstler Andreas Raub humorvoll illustrierte Werk liest man „vull Plaseer“. Ein Druckkostenzuschuß der Stiftung ermöglichte diese Veröffentlichung.
© Ruhr Nachrichten, 29. November 2008
Sieben Tage, sieben Nächte
Willi Husmann kam bei seiner mikroskopischen Arbeit „van’t Höltken op’t Stöcksken“
In zehn Jahren sammelte Willi Husmann 457 plattdeutsche Sprichwörter und Redensarten. Er kam dabei buchstäblich „ van’t Höltken op’t Stöcksken“.
Er gewann so richtig an Fahrt, arbeitete sich von einem zum anderen Thema vor und so floss ihm als Summe seiner Arbeit der Titel seines Buches treffend aus der Feder: „Van‘t Höltken op’t Stöcksken“. Gestern präsentierte Willi Husmann sein 252-seitiges Werk in der Stadtbücherei. an passendem Ort, inmitten der Ausstellung „Werkzeuge des Geistes“, versammelten sich die stellvertretende Landrätin Elke Marita Stuckel-Lotz, die stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Kelders, Familienmitglieder und Freunde, um bei einer ersten kurzen Lesung eine Ahnung vom Inhalt zu bekommen. Paula und Herbert Lampe reichten dazu Aufgesetzten, Eierlikör und Gebäck in die Runde.
„Wir werden unsere Freude an den Sprüchen haben“, ist Ursula Kelders sicher. Mit Erstaunen registrierte sie die „mikroskopische Arbeit“ von Willi Husmann. Elke Marita Stuckel-Lotz lobte den Autor für sein traditionsbewusstes Bemühen, das Plattdeutsche als Sprache zu bewahren. Sie zitierte zungenbrecherisch aus dem Internet gesammelte plattdeutsche Sätze als Referenz an den Autor. Amüsant und sympathisch kam das bei den Gästen über.
Sponsoren, darunter vor allem die Kulturstiftung Masthoff, ermöglichten Willi Husmann die Veröffentlichung seiner akribischen Arbeit. Ein Verkauf zum akzeptablen Preis von 12,90 Euro wäre sonst, wie Ulrich Grabowsky vom Ardey-Verlag gestand, nicht möglich gewesen. „Aber ein perfektionistisches Buch braucht ein spontanes Gegengewicht“, findet Andreas Raub. Er lockerte deshalb die Erläuterung mit Zeichnungen auf. „Es war mir ein Vergnügen“, sagte der Künstler, der damit wieder seine besondere Verbundenheit zu Haltern betonte.
Willi Husmann, Mitglied im Lippramsdorfer Heimatvereins, dankte allen am Buch Beteiligten, in erster Linie seiner Ehefrau Maria für ihre Geduld. Zusammengefasst 10 054 Minuten oder sieben Tage und sieben Nächte verbrachte der Autor am Schreibtisch bis zur druckreifen Vorlage. „Das Plattdeutsche hatte zu meiner Jugendzeit ein hinterwälderisches Image“, sagt Willi Husmann. Er beweist jetzt das Gegenteil.
Elisabeth Schrief
Geliebte Städte wie Mainz, Münster, Lüdinghausen, Paderborn, Nürnberg, Siegen oder Kaufbeuren haben eins. Seit Oktober 2009 hat auch Haltern am See ein bronzenes Stadtmodell. Kein Geringerer als der unweit von Soest lebende Bildhauer und Objektdesigner Egbert Broerken hat es geschaffen. Er widmet sich inzwischen ausschließlich der Fertigung von Blinden-Tastmodellen, nachdem er zwei Jahrzehnte eine erfolgreiche Hochschullehrertätigkeit an der Fachhochschule für Design in Dortmund ausgeübt hatte. Die optimale Tastbarkeit seiner Bronzemodelle und Erläuterungen in filigraner Brailleschrift hat Broerken sich gemeinsam mit Lehrern und Schülern der Westfälischen Blindenschule in Soest in zahlreichen Versuchen erarbeitet. Das Alte Rathaus, die St. Sixtus Wallfahrtskirche, der trutzige Siebenteufelsturm, verwinkelte Gassen, schöne alte Fassaden und Fachwerkhäuser sind modelliert worden - als Bronze gewordene Stadtgeschichte: Halterns mittelalterlicher Kern zum (Be)Greifen nah….
Bürger, Besucher, Kinder und allen voran Blinde und Sehbehinderte sollen sehend-tastend oder tastend mit den Fingern sehend der Spur des Labyrinths verwinkelter Gassen und stiller Winkel folgen. Mit den Händen besehen, wird der mittelalterliche Kern der Stadt Haltern mit seinen architektonischen, historischen und touristischen Kleinoden lebendig und erlebbar. Eine spannende Erfahrung, die den Betrachter mit einem neuen Fingerspitzengefühl für die Schönheit und die Dimensionen unserer Stadt belohnt.
Das Tastmodell ist ein Gemeinschaftsprojekt des Rotary Club Haltern am See, der KulturStiftung Masthoff und des Vereins für Altertumskunde und Heimatpflege Haltern am See.
© Ruhr Nachrichten, 26. Oktober 2009
Innehalten und fühlen
Stifter-Trio enthüllte das Blindentastmodell
"Das Blindentastmodell ist Haltestelle und souveräner Betrachtungspunkt unserer Stadt", das ist eine von sieben Sichtweisen auf das bronzene Kunstwerk. Festredner Martin Ahls entwickelte sie am schönen Samstagmorgen - ohne die schäbigen Seiten Halterns auszuklammern.
Im großen Kreis enthüllten das Stifter-Trio Rotary Club Haltern, KulturStiftung Masthoff und Verein für Altertumskunde und Heimatpflege das von Prof. Egbert Broerken geschaffene Blindentastmodell. Seitlich der Sixtus-Kirche schafft es Verbindungen. Dazu Martin Ahls: „Haltern spielt jetzt in einer Liga mit Hamburg, München, Amsterdam oder Nürnberg, wenigstens im Bereich der Blindentastmodelle.“
Rotary-Präsidentin Ursula Kelders lud ein, Haltern zu sehen, zu fühlen und zu tasten. Den beiden anderen Stiftern dankte sie für die gute Zusammenarbeit, Martin Ahls für die Ideengebung und Andrea Gauß für die Wahrnehmung organisatorischer Aufgaben. Dr. Horstfried Masthoff sprach von einem gelungenen Gemeinschaftsprojekt: "Das Blindentastmodell ist eine Bereicherung für Haltern." Heimatvereins-Vorsitzender Franz Schrief reihte sich ein. Er lobte ebenfalls das freundschaftliche Miteinander, dankte Dechant Bruno Pottebaum für den guten Standort und Baudezernent Wolfgang Kiski explizit für die Gestaltung des Platzes. Kiski erinnerte an Bausünden der 70-er Jahre: "Zum Glück haben unsere Bürger den Aufruf zur Stadterneuerung damals ignoriert." Nur so habe Haltern seine Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit retten können.
Brüche im Stadtbild
Dennoch gab es zwischen Schein und Sein entwicklungshistorische Brüche im Stadtbild wie Muttergottesstiege und Marienhof. "Wer aber das Schäbige annimmt, der ist vor allem eines: ehrlich", betrachtet Martin Ahls das Tastmodell als eine Mixtur. Gleichzeitig beweise es schon heute den ständigen städtebaulichen Wandel. Veränderungsprozesse mit neuen Häusern, An- und Umbauten konnte Prof. Boerken wegen des Entwurf-Abschlusses im Frühsommer schon nicht mehr abbilden. Wer dem Vogel gleich Haltern dennoch nun von oben betrachte, "der hat die Chance, etwas von Haltern zu verstehen."
Elisabeth Schrief
Am 24. September 2011 bestand die Stiftung zehn Jahre; ein guter Grund zum Feiern und Mitfeiern für Halterner Bürger. Sozusagen mit Pauken und Trompeten fand auf dem Marktplatz bei schönstem Wetter ein Konzert für alle statt. In diesem Fall mit dem Pindakaas Saxophon Quartett. „Air“leben konnten die Passanten, wie dem Geburtstagskind mit einem gute Laune machenden Programm ein Ständchen gebracht und damit gleichzeitig Spendern, Freunden und Förderern der Stiftung gedankt wurde.
Gemeinsam Musik entdecken und erfahren, das hat einen nachhaltigen Erlebniswert, weshalb Musik - Kammerkonzerte im Römermuseum und Gitarrentage auf Schloss Sythen - ein wichtiger Tätigkeitsschwerpunkt der Stiftung ist.
Unweit von dem Blindentastmodell des Stifter-Trios, Rotary Club Haltern am See, KulturStiftung Masthoff und Verein für Altertumskunde und Heimatpflege, hat Pindakaas einen Samstagvormittag lang mit seiner mitreißenden Musik und unbändigen Spielfreude begeistert. Das Quartett feiert in dieser Spielzeit sein 20-jähriges Bühnenjubiläum. Seit seiner Gründung überzeugte es in unzähligen Kammer- und Kirchenkonzerte, gab legendäre Auftritte bei Musikfestivals und spielte bisher sieben CDs ein. Mit Ihrem Programm „Brause“ präsentierten die vier Musiker (Dr. Matthias Schröder, Anja Heix, Guido Grospietsch und Marcin Langer) frisch und originell arrangierte Jazzklassiker und Evergreens aus Pop und Filmmusik von Glenn Miller, den Comedian Harmonists, Henry Mancini bis zu Queen und den Beatles.
Der durch das Musikerlebnis geförderte Durst und Hunger konnte mit Bier und Janson‘s sensationellen Reibeplätzchen mit Apfelmus gestillt werden. Oder man genoss die Musik und beobachtete das muntere Treiben von den beiden Eiscafes aus.
Selbst Varus, Spurenleger zu Halterns römischer Vergangenheit, hatte sich für den Geburtstag in Schale geworfen; er glänzt durch aufgefrischte Rangabzeichen.
© WAZ, 26. September 2011
Kulturstifter feiern Zehnjähriges
Horstfried und Eva Masthoff präsentieren ein T-Shirt der Kulturstiftung Masthoff. (Foto: Rainer Raffalski)
Jazz, Pop und Filmmusik des Pindakaas-Quartetts, viele Gäste und sonniges Geburtstagswetter: Die Kulturstiftung Masthoff feierte ihr zehnjähriges Bestehen am Samstag mit einem Fest für Unterstützer, Freunde und Interessierte unter freiem Himmel auf dem Marktplatz in der Innenstadt.
Die Stiftung fördert Kunst und Kultur in Haltern am See, ihr Betätigungsfeld ist umfangreich. Ende 2003 startete eine Reihe kleiner, aber feiner Konzerte mit begabten Nachwuchskünstlern im Römermuseum. Die Stiftung setzte dem römischen Feldherrn Varus ein Denkmal, schenkte dem Joseph-König-Gymnasium eine bronzene Gedenktafel seines Namensgebers, unterstützte die Herausgabe von Büchern, beteiligte sich an dem Tastmodell der Seestadt für Blinde.
Auf Schloss Sythen zieht das Ehepaar Eva und Dr. Horstfried Masthoff seit dem Jahr 2007 ganz neue Seiten auf – bezeichnenderweise mit Gitarrensaiten – indem es zu Musikgenuss und Gaumenfreuden einlädt.
Irene Stock
Bildergalerie "10-jähriges Jubiläum"
Die Jahre 2002 bis 2006
Als ihr erstes Projekt stellte die Stiftung der Stadt Haltern am See eine 2,40 m große, 650 kg schwere Bronzeplastik als Dauerleihgabe zur Verfügung, womit einem der bekanntesten Verlierer der Weltgeschichte ein Denkmal gesetzt wird. In Anwesenheit der Stellvertretenden Bürgermeisterin Ursula Kelders wurde die Statue am 20.September 2003 im Rahmen einer kleinen Feier der Öffentlichkeit übergeben.
Dieses Kunstwerk wurde von dem renommierten Bildhauer Dr. Wilfried Koch im Auftrag der Stiftung geschaffen; es befindet sich im v. Galen Park. Dargestellt wird der römische Feldherr Varus in dem dramatischen Moment, da er seine katastrophale Niederlage erkennt und den Verrat durch seinen Freund Arminius begreift, der ihn in einen Hinterhalt gelockt hatte. Varus hatte die höchsten Funktionen im römischen Reich bekleidet. Es wurde also ein hoch angesehener und fähiger Mann damit beauftragt, Nordgermanien als römische Provinz zu etablieren. Seine Niederlage in der nach ihm benannten Schlacht beruht nicht auf Unvermögen, sondern auf einem Vertrauens- und Vertragsbruch sowie auf Hinterlist. Ein auf diese Weise Gescheiterter verdient Sympathie und Respekt, denn in jeder Niederlage liegt eine Würde, die dem Sieg kaum gebührt. "Gerades Scheitern steht höher als ein krummer Sieg." (Sophokles) Es ist dem Bildhauer in großartiger Weise gelungen, die Würde dieses Gescheiterten, aber auch seine Verachtung künstlerisch auszudrücken. Seine Intention hat er in dem Text auf der Bodenplatte, die sich vor der Statue befindet, so formuliert:
Der gescheiterte Varus
Publius Quinctilius Varus erlitt als Oberbefehlshaber der römischen Truppen in der Schlacht des Jahres 9 n. Chr. eine schmachvolle Niederlage. Sieger war der Cheruskerfürst Arminius. Als Anführer germanischer Hilfstruppen und Angehöriger des römischen Adels besaß er das besondere Vertrauen des Varus. Deshalb kommt seine Verschwörung gegen Rom einem Verrat gleich. Nicht nur die militärische Katastrophe, sondern auch der verachtenswerte Grund des Scheiterns an seiner historischen Aufgabe veranlassten Varus, sich selbst zu töten.
Durch den Untergang der römischen Vormachtstellung östlich des Rheins blieben die Germanen für Jahrhunderte von der hochentwickelten römischen Kultur ausgeschlossen.
© Ruhr Nachrichten, 6. Dezember 2002
Frieden mit Feldherr Varus
Die Schlacht um Varus ist geschlagen. Es gibt weder Sieger noch Besiegte, sondern einen versöhnlichen Kompromiss. Der Kulturausschuss empfahl gestern in seiner Sitzung, die Römer-Skulptur der Kulturstiftung Masthoff auf der Parkfläche an der Ecke Schmedding/Rochfordstrasse zu positionieren. Einstimmig zwar, aber der Weg bis zu dieser Entscheidung war nicht klar vorgezeichnet. Denn die SPD hielt weiterhin am Standort Siebenteufelsteich fest und vermutete „Verbündete“ in der CDU. Horst Nolting zitierte die Partei übergreifende Debatte um den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses herbei, um zu verdeutlichen, dass er sich eine leidenschaftliche Diskussion um eine ästhetische Frage wünsche. „Ich habe mich zwar belehren lassen müssen, dass wir einen Fraktionszwang hier bei uns nicht haben, das Abstimmungsverhalten im Haupt- und Finanzausschuss sah jedoch anders aus“. Drei Mitglieder der SPD beantragten deshalb eine geheime Abstimmung über den Standort Siebenteufelsteich, bei der sie mit 7-8 Stimmen unterlagen. In der zweiten, offenen Abstimmung gab der Kulturausschuss dann bewusst einvernehmlich ein positives Votum für die Parkfläche, auf der einst die Halterner Bücherei gestanden hatte. „Ich bin glücklich, dass wir das Kapitel Varusskulptur nun zu einem guten Ende bringen“, lehnte sich Vorsitzende Ursula Kelders erleichtert zurück.
Dr. Horstfried Masthoff nahm an der Sitzung nicht teil und begründete das in einem Brief an die Ausschuss-Vorsitzende. Nach wie vor favorisiere er den Standort am Siebenteufelsturm. Da ihm die Realisierung des Kunstwerkes als verbindendes Element zwischen Altstadt und Römermuseum allerdings wichtig sei, trage er auch den Standort an der Schmeddingstraße mit.
Mit Respekt und Anerkennung sprach Bürgermeister Josef Schmergal in der Sitzung von der Kulturstiftung. Es sei nicht selbstverständlich, sondern zeuge von hohem Idealismus, wenn ein Bürger auf Teile seines Vermögens verzichte und sie unwiderruflich der Gemeinnützigkeit widme. Die Idee Masthoffs, einen in Bronze gegossenen gescheiterten römischen Feldherrn Varus als Dauerleihgabe zu stiften, fand im Frühjahr deshalb zunächst große Zustimmung, an den unterschiedlichen Vorstellungen zur Standortfrage wäre das Projekt jedoch fast gescheitert. Nun ist Frieden. Josef Schmergal: “Das Engagement der Kulturstiftung sollte von allen als Glücksfall betrachtet werden.“
Elisabeth Schrief
© Ruhr Nachrichten, 07. Juni 2003
Varus straft mit Verachtung
Dr. Wilfried Koch setzt dem gescheiterten Feldherrn ein Denkmal

„Eigentlich kann ich Arminius nicht leiden.“ Für Dr. Wilfried Koch ist Hermann, der germanische Held, ein Verräter. Erst heuert der Cherusker als Söldner bei den Römern an, dann führt er die Germanen gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. Der Sieg über die Römer ist für Wilfried Koch eine Niederlage. Denn anschließend mussten die Germanen „für 700 Jahre auf die Bäume“. Varus, der mit dem Schwert Kultur zu den Barbaren bringen sollte, wird so zum tragischen Helden. Ihm setzt der Künstler ein Denkmal in Haltern. Finanziert von der KulturStiftung Masthoff soll der gescheiterte Varus ab September im Galen-Park stehen. Ein Gegenstück zum heroischen Hermanns-Denkmal in Detmold.
Wilfried Koch lebt und arbeitet in Rietberg bei Gütersloh. Wir haben uns zum Werkstattbesuch angemeldet und stehen nun erwartungsvoll vor dem Atelier, das eigentlich ein Schuppen ist. Der Künstler öffnet die Tür und da ist er: Varus – der gescheiterte Varus. Die großen Hände fangen die ersten Blicke des Betrachters. Sie sind leicht nach innen gekehrt – leer. „Ich hätte Varus auch abbilden können, wie er sich sein Schwert zwischen die Rippen schiebt, aber das wäre zu laut gesungen“, erzählt Koch. Er will dem Betrachter Platz für eigene Interpretationen lassen. Ein roter Faden, der sich durch sein gesamtes künstlerisches Schaffen zieht. Kochs Figuren erzählen die Geschichten hinter der Geschichte.
Die Hände, der Körper, das Gesicht sind die wichtigsten Ausdrucksmittel, mit denen der 73-Jährige seine Plastiken sprechen lässt. Hier erzählen sie die Geschichte eines Mannes, der mit einer gewaltigen Streitmacht nach Germanien kam und alles verlor. Koch zeigt den Varus im Augenblick der Niederlage. Was drückt sein Gesicht aus? Anstrengung, Müdigkeit, Verzweiflung, aber vor allem Verachtung. Bevor er sich das Leben nimmt, straft er den Sieger, die kulturlosen Barbaren, mit Verachtung.
„Der gescheiterte Varus“ soll auf der Bronzeskulptur stehen – in lateinischer Schrift. Doch hier stößt Koch auf ein Problem. Die Römer kannten kein Wort für „gescheitert“. Vielleicht, weil die Römer als Herren der Welt eigentlich niemals scheiterten. Der Künstler hat sogar Latein-Gelehrte eingeschaltet, bisher jedoch ohne Erfolg. Aber bis September sind ja noch ein paar Monate Zeit.
Thomas Liedtke
© Ruhr Nachrichten, 22. September 2003
Varus verachtet Verräter
An der Skulptur von Wilfried Koch beeindruckt vor allem das Gesicht

Als einen Gewinn für alle Bürger der Stadt würdigte Bürgermeisterin Ursula Kelders die neue Varus-Plastik im Galen-Park. Stifter Horstfried Masthoff pflichtete ihr bei der offiziellen Enthüllung am Samstag bei: „Die Stadt ist um eine Attraktion reicher.“ Nicht nur gute Einkaufsmöglichkeiten und genügende Parkplätze bestimmten die Attraktivität einer Stadt. Einen immer größeren Stellenwert bekomme die Kunst im öffentlichen Raum.
Masthoff bedankte sich beim Förderverein des Römermuseums, der die Eibenhecke hinter dem Denkmal gespendet hat, sowie beim Verein Haltern Aktiv, der nicht nur für die Beleuchtung des Varus gesorgt hat, sondern das ganze Projekt mit seinem Standortvorschlag gerettet habe.
Großes Lob spendete der Stifter dem Künstler. Die Spezialität von Wilfried Koch sei die Darstellung von Menschen in Grenzsituationen. Deshalb sei er geradezu prädestiniert für den Auftrag gewesen, eine Skulptur des gescheiterten Varus zu schaffen.
Ursula Kelders erinnerte daran, dass der Varus eine gedankliche Klammer zwischen der Stadt Haltern und ihrer römischen Vergangenheit bilden soll. Die Umsetzung sei dem Künstler hervorragend gelungen. Die Plastik zeige einen Feldherrn, der es gewohnt war, zu den Erfolgreichen zu gehören und der nun vor dem existenziellen Nichts stehe. Der Künstler bestätigte, was sich jedem Betrachter sofort erschließt: „Mein Varus ist nackt. Er ist ausgehöhlt und die Fetzen seines Mantels hängen an seinem Leib. Am wichtigsten aber war mir sein Gesicht.“ Für Wilfried Koch ist der Sieger Hermann ein Verräter, und so spiegelt sich im Gesicht des Römers nicht nur Schmerz, sondern Verachtung für jenen Mann, der sein Vertrauen missbrauchte.
Dr. Rudolf Aßkamp beschäftigte sich in seinem Festvortrag mit der Frage, was wohl passiert wäre, wenn Varus die Schlacht gewonnen hätte. Vermutlich hätte das römische Reich dann den Ansturm der ostgermanischen Völker aufhalten können. Vielleicht wäre wären wir dann heute Teil eines großen römischen Reiches. Haltern verpasste jedenfalls die Chance, zu einer bedeutenden Stadt aufzusteigen. Auch die Entwicklung von Mainz, Köln oder Trier hat so begonnen vor 2000 Jahren in Haltern: mit einem Römerlager.
Thomas Liedtke
Eine zweckgebundene Spende des Vereins Haltern aktiv e.V. machte die Anschaffung der Beleuchtungsanlage möglich, sodass die Varusplastik zu jeder Zeit ins rechte Licht gerückt wird. Den richtigen Rahmen erhält der kleine Platz durch die schöne Eibenhecke, die der Verein der Freunde und Förderer des Westfälischen Römermuseums Haltern e.V. pflanzen ließ.
Das Varus-Denkmal inspirierte den Lyriker Paul Vogel zu diesen Zeilen:
breitbeinig
nach kriegerart
abgerissen und geschlagen
erhobenen hauptes doch
so steht er da
der stolze Römer
am eingang zum bürgerpark
mit leeren händen
und seine verlorenen
legionen beklagend
in seinem blick
die zukunft
keine
der rosigen art
Der Schriftsteller Josef Lehmkuhl legt in seinem Buch Die Schild-Bürger von Haltern am See (Erfurt, 2011) dem römischen Feldherrn Varus diese Worte in den Mund:
„Mensch Arminius, warum hast du mich und meine Soldaten so hintergangen, warum hast du nicht mit uns kooperiert, warum hast du dein Volk so ins Unglück gestürzt, in ein tiefes Mittelalter? Alles hätte so gut laufen können, ganz Germanien wäre römisch geworden, in Aliso an der Lupia hätten wir ein zweites Rom gebaut, Augusta Westfalica hätte man die Stadt genannt, sie hätte in 2000 Jahren noch zu meinem und zu deinem Ruhme als Hauptstadt Germaniens gestanden. Nun steh ich hier in Bronze auf einem Sockel, mit ungläubigem Blick auf einen Teufelsturm, mit übergroßen Händen und zerfetztem Gewande, als der berühmteste Verlierer der Weltgeschichte und angeblich gescheitert. Dabei bist ja vor allem du, Arminius, gescheitert, und hast dieser schönen Stadt, die sich heute Haltern nennt, die Zukunft als überragende Römerstadt vermasselt.
Mensch, Arminius, du Versager!“
Die Stiftung ist an einem Internetprojekt beteiligt, dass das Kultursekretariat NRW Gütersloh verwirklicht hat. In einer virtuellen Galerie werden Künstler aus NRW vorgestellt, so auch der Halterner Peter Thomas.
© Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 19. Dezember 2002
Die Seestadt ist jetzt Knotenpunkt im KunstnetzNRW.de
Das „Kunstnetz“, das sich Kultursekretariat Gütersloh mit 66 Künstlerinnen und Künstlern aus 46 Städten in NRW spannt, hat seit gestern seinen Knotenpunkt in Haltern: Der Maler Peter Thomas, der auf Initiative der KulturStiftung Masthoff die Seestadt präsentiert, hängte gestern seine Bilder im Alten Rathaus auf. mehr
Idee und Umsetzung für das „KUNSTNETZNRW“ sind im Künstlerdorf Schöppingen entwickelt worden. Das Netz wird im Internet ausgeworfen. Die Freischaltung ist für den 20. Dezember vorgesehen. Unter www.kunstnetznrw.de sind je drei typische Arbeiten der einzelnen Künstler/innen zu sehen. Wer sich genauer informieren möchte, klickt auf den redaktionellen Teil mit Daten zu Lebenslauf, Auszeichnungen und Ausstellungen etc.
In dieser virtuellen Galerie sind alle Sparten und Genres der bildenden Kunst vertreten: Malerei, Skulptur, Objekte, Installationen, Fotografie, Video- und Konzeptarbeiten. Sie soll zudem aktuelle Datenbank, Informationsdrehscheibe zu den Kunstschaffenden in den Mitgliedsstädten des Kultursekretariats, Verbindungs- und Kontaktplattform sein. Eine Newsletterrunde liefert Ausstellungstermine, ab dem kommenden Jahr soll ein integrierter Shop Kunstwerke und Kataloge zum Verkauf anbieten.
Gefördert wird die www.Galerie aus Mitteln des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport sowie von der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW. Ziel: einen Überblick über das vielfältige Schaffen in den Mitgliedsstädten des Kultursekretariats zu geben.
Da die Stadt Haltern vor Jahren aber die Mitgliedschaft gekündigt hat, hätte sie nicht Knotenpunkt im Kunstnetz werden können. Doch akzeptierte das Kultursekretariat jetzt die Bewerbung der KulturStiftung Masthoff – in deren Schlepptau kam der Maler Peter Thomas (57) ins Netz. Die Schöppinger Jury entschied sich dafür für Thomas’ Bilder „Bergwald“, „Himmel und Erde“ und „Parklandschaft“.
Seit gestern machen zwei Bilder des Halterner Künstlers im Alten Rathaus – sozusagen als oberirdisches Tau – auf das Kunstnetz im Internet aufmerksam. In der Stadtagentur der Seestadt hängt der „Wasserspiegel“, im Foyer der „Bergwald“. Wer mehr sehen möchte: Im Trauzimmer des Standesamtes hängen seit langem schon drei Thomas-Bilder als Leihgabe.
Beate Mertmann
Die Zeit nach dem Ende der römischen Expansionsbestrebungen war Gegenstand der Ausstellung "Fundorte" im Westfälischen Römermuseum von Juli bis November 2002. Die Stiftung finanzierte den Ausstellungskatalog.
Zu unterschiedlichen Themen werden mit Exlibris Ausstellungen in Halterner Geschäften ausgeführt.
© Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 9. Januar 2003
Kleiner Prinz kommt in die Schaufenster
Zu Gast in Haltern ist in diesen Tagen der kleine Prinz: genau gesagt im Schaufenster des Schreibwarengeschäftes Cleve. Schließlich ist er noch immer mitten unter uns, noch immer auf der Suche nach dem Freund, dem brüderlichen „Du“ im Menschen. Dort im Schaufenster gibt es allerlei zum Thema „Le petit prince“ zu entdecken. Dass seine Beliebtheit ungebrochen ist, dass seine Botschaft gültig ist, wie eh und je, will die KulturStiftung Masthoff mit Bildern belegen.
Der kleine Prinz hat sich auf Zehenspitzen nicht nur in die Herzen von Leser, Porzellan- und Briefmarkensammler geschlichen, nein, er hat auch Künstler in halb Europa inspiriert, peu à peu, sozusagen. Wie man an dem Gastspiel des kleinen Prinzen bei der Firma Cleve im kleinen Rahmen sieht: Exlibrissammler in Deutschland tun es, auf der ganzen Welt tun sie es: Sie alle sammeln “Le petit prince“ auf Exlibris.
Entstanden sind diese kleinen graphischen Kunstwerke im Dialog zwischen Sammler und Künstler. Mal ließ man es bei der Gestalt des kleinen Prinzen, den Originalzeichnungen von Antoine de Saint-Exupéry getreu nachempfunden. Häufiger jedoch vertieft das Motiv die für den Sammler wichtigste Botschaft des kleinen Prinzen.
Die belgische Künstlerin Stevens zeigt auf dem Exlibris den kleinen Prinzen, wie er sich über den Brunnen neigt, den Kübel am Seil mit der Zugwinde hinablassend, „um den Brunnen aufzuwecken, damit er singt“.
Das Zitat „Die Menschen bei dir zu Hause züchten fünftausend Rosen in ein und demselben Garten, und doch finden sie dort nicht, was sie suchen. Und dabei kann man das, was sie suchen in einem bisschen Wasser finden“, stand dafür offensichtlich Pate.
Ein Wiedersehen mit einem aus der Kindheit vertrauten Buch(kameraden) über das Bild herbeizuführen, ist der Gedanke der Miniaturausstellung.
Eva Masthoff
Der französischen Kupferstecherin Claire Hénault wurde aus Anlass des Jubiläums des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages eine Ausstellung in der Stadtbücherei gewidmet.
© Ruhr Nachrichten, 21. März 2003
Verborgene Seiten einer Frau
Eröffnung der Claire-Hénault-Ausstellung in der Bücherei / Dank an KulturStiftung Masthoff
Die Claire-Hénault-Ausstellung ist eine Homage an die deutsch-französische Freundschaft – und an die Frau. Mittwochabend kamen zahlreiche Kunstfreunde zur Eröffnung ins Kaminzimmer der Stadtbücherei. „Die KulturStiftung Masthoff setzt mit dieser Kabinett-Ausstellung einen interessanten Akzent. Sie ist ein schönes Beispiel für das kulturelle Engagement von Eva und Dr. Horstfried Masthoff“, würdigte die stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Kelders das Ehepaar und betonte zugleich den Rang und die Leistung der international anerkannten französischen Künstlerin.
Die in Paris lebende Kupferstecherin ziehe den Betrachter mit ihrer Sicht der Dinge in ihren Bann und schlage dabei doch ganz freimütig einen Bogen zu einem der größten deutschen Künstler, nämlich Albrecht Dürer, der ihr großes Vorbild sei. Kelders begrüßte auch den Zeitpunkt der Ausstellung. Sie sei ein schöner Beitrag im Jubiläumsjahr der Unterzeichnung des Elysee-Vertrages und der Städtepartnerschaft Haltern/Roost-Warendin. Die 50 Graphiken und Exlibris bewertete Bernd Köster, Leiter der städtischen Bücherei, aus ganz eigener Perspektive.
„Claire Hénault, die sich durch hohes technisches Können auszeichnet, stellt das für Männer unergründliche Wesen der Frau in unzähligen Facetten dar.“ Mal geheimnisvoll, anmutig, filigran, aufreizend oder leidenschaftlich, mal liebend, mysteriös, stolz oder böse. „Alle Graphiken verkünden: Seht her, ich bin eine Frau!“ Bernd Köster als Mann kapitulierte: „Diese Arbeiten zeigen, wie unendlich vielfältig und rätselhaft die verborgenen Seiten einer Frau sind.“
Die zu entdecken, machte den Besuchern viel Spaß. Dr. Horstfried Masthoff nahm die Begeisterung für Claire Hénault mit Genugtuung zur Kenntnis. Er freute sich, dass seine Gäste dieser kleinen Ausstellung, der ersten seiner KulturStiftung, ihre Zeit widmeten. Claire Hénault nimmt ihre Betrachter mit auf die Reise in eine mystische, phantasievolle Welt. Wer sie dabei begleiten möchte, hat noch bis zum 20. April dazu die Gelegenheit.
Elisabeth Schrief
Die Stiftung schenkte dem Joseph-König-Gymnasium eine bronzene Gedenktafel, die an seinen Namensgeber erinnert.
© Ruhr Nachrichten, 10. Mai 2003
Bronzetafel ergänzt Joseph-König-Büste
Dr. Horstfried Masthoff spricht mit größtem Respekt von dem Begründer der Lebensmittelchemie, Dr. Joseph König: „Aus einfachsten Verhältnissen ist er durch große Leistungsbereitschaft zu höchsten Ehren gekommen.“ Deshalb und weil er selbst eine enge Bindung zum Gymnasium hat, schenkt die Kulturstiftung Masthoff zur Büste (wie berichtet eine Spende des Heimatvereins) die entsprechende Schrifttafel. Damit auch spätere Schülergenerationen die Bedeutung des Namensgebers ermessen können.
Dr. Horstfried und Eva Masthoff übergaben den Bronzeguss gestern an den Schulleiter Johannes Hermsen. Angefertigt wurde dieser in der Kunstgießerei Süssen, einem Ort nahe Stuttgart. Gemeinsam entwarfen Schulleiter und Stifter folgenden Text für die Tafel: „Geheimrat Dr. Joseph König wurde 1843 in Haltern-Lavesum geboren. Als Begründer der Lebensmittelchemie war er ein international anerkannter Wissenschaftler. Seine Forschungen im Bereich des Umwelt- und Verbraucherschutzes waren wegweisend. Mit großem und nachhaltigem Einfluss lehrte er als Professor an der Universität Münster. Joseph König starb 1930.“
„Die Idee, das Gymnasium nach Dr. Joseph König zu benennen, finde ich großartig“, sagte Dr. Masthoff. Seine Spende drückt diese Freude aus, zugleich auch seine Verbundenheit zur Schule. Vor gut 40 Jahren bestand der Rechtsanwalt und Notar am damaligen Pro-Gymnasium sein Abitur. „Hier wurde die Basis für ein interessantes Leben gelegt.“
esc
Im Frühjahr 2004 schrieb die Stiftung einen Fotowettbewerb zum Thema „Blickfang Varus“ aus, an dem sich 25 Fotografen beteiligten. Der fotografische Beitrag musste einen erkennbaren Bezug zu der Skulptur im Kardinal-von-Galen-Park haben, wobei alle Techniken zugelassen waren. Der Wettbewerb war ein Aufruf, den Feldherrn, den Menschen Varus aus extremen, überraschenden oder schalkhaften Blickwinkeln zu sehen. Die Preissumme betrug 1.200 Euro. Am 17.06.2004 trafen die drei Jurymitglieder Reinhard Hellrung, Jürgen Metzendorf und Franz Schrief ihre Entscheidung; anhand der 64 eingereichten fotografischen Beiträge zeichneten sie diese sechs Preisträger aus:
- Dr. Hans Jadamus, Marl
- Marco Hilgers, Mönchengladbach
- Maaike Thomas, Haltern am See
- Dr. Ulrich Giewald, Haltern am See
- Blanka Thieme-Dietel, Haltern am See
- Bernd Hübner, Marl
In der Bildergalerie werden die prämierten Fotos und eine Auswahl der übrigen Wettbewerbsbeiträge vorgestellt, wobei die Reihenfolge keine Rangfolge bedeutet.
Bildergalerie Fotowettbewerb
Blickfang Varus
Die Stiftung schreibt einen Fotowettbewerb zu folgenden Teilnahmebedingungen aus:
- Aufgabe: Der fotographische Beitrag muss einen erkennbaren Bezug zu der Varus-Skulptur im Kardinal-von-Galen-Park in Haltern am See haben. Der Wettbewerb soll Aufruf sein, den Feldherrn, den Menschen Varus aus extremen, überraschenden oder schalkhaften Blickwinkeln zu betrachten.
Varus, verankert in unmittelbarer Nachbarschaft des Siebenteufelsturmes, als Wegweiser in unsere römische Vergangenheit für Einheimische? Als Wegweiser ins Römermuseum für Besucher und Gäste der Stadt? Als Spiegelbild selbst erlebter Krisen? Varus als Kommunikations- und Treffpunkt? Als Römer-Promi, mit dem man sich gern ablichten lässt? Varus in der Begegnung mit Schulkindern – greifbarer und begreifbarer Geschichtsunterricht? Und, und, und…. - Teilnahmeberechtigung: Am Wettbewerb kann mit Ausnahme der Jurymitglieder jeder teilnehmen. Alle Urheberrechte müssen bei den Teilnehmern liegen; ihre Bilder dürfen Rechten Dritter nicht entgegenstehen.
- Anzahl und Art der Fotos: Es werden pro Autor max. drei Fotos bewertet. Juriert werden farbige oder schwarz-weiße, nicht aufgezogene Papierbilder im Format 20 x 30 cm bis 30 x 45 cm.
- Kennzeichnung und Einsendung der Fotos: Vermerken Sie bitte auf der Rückseite jedes Bildes dasselbe beliebige Kennwort. Fügen Sie ferner ein Begleitblatt bei, das folgende Angaben enthält:
- Ihr Kennwort
- Name, Vorname, genaue Anschrift
- Anzahl der eingereichten Fotos
Bitte legen Sie ferner ein adressiertes und ausreichend frankiertes Rücksendekuvert bei.
Bitte senden Sie die Wettbewerbsunterlagen an: KulturStiftung Masthoff, 45721 Haltern am See, Koeppstraße 11.
Einsendeschluss für alle Wettbewerbsbeiträge ist der 12.06.2004. Danach eingehende Beiträge können nicht mehr berücksichtigt werden. - Jury: Die Bewertung erfolgt durch eine unabhängige Jury, deren Urteil nicht anfechtbar ist. Die Jury tagt nicht öffentlich. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Die Preisgewinner werden persönlich benachrichtigt und in der Presse bekannt gegeben.
- Preise: Der 1. Preis beträgt 500 EUR, der 2.Preis 300 EUR, der 3. Preis 200 EUR, der 4. Preis 100 EUR und 5. und 6. Preis ist jeweils 50 EUR.
- Verwertungsrechte: Das Eigentum und die Verwertungsrechte an den prämierten Fotos gehen auf die Stiftung kostenlos über. Eine Auswahl der eingesandten Fotos wird ohne Honorar im Internet als virtuelle Ausstellung präsentiert.
- Rücksendung der Fotos: Die nicht prämierten Fotos werden den Einsendern nur dann zurückgesandt, wenn ein adressiertes und ausreichend frankiertes Rücksendekuvert der Einsendung beigelegen hat; andernfalls gehen die Fotos in das Eigentum der Stiftung über. Für Transportschäden übernimmt die Stiftung keine Haftung.
Der Jury gehören die folgenden Mitglieder an:
- Reinhard Hellrung, Haltern a. S.
- Museumsdirektor - - Jürgen Metzendorf, Marl
- Fotoredakteur - - Franz Schrief, Haltern a. S
- Schulleiter -
Haltern am See, 06.03.2004
© Ruhr Nachrichten, 19. Juni 2004
Einfache Mittel beeindruckten die Jury
Haltern. Der Varus im Galen-Park zieht Blicke auf sich. Die Skulptur lässt keine Gleichgültigkeit zu. Sie fordert Widerspruch, Zustimmung, Auseinandersetzung mit der Geschichte.
So lag es nahe, das von Wilfried Koch geschaffene Werk zum Gegenstand eines Fotowettbewerbs werden zu lassen. Aber es war auch ein Wagnis. Würden die eingereichten Arbeiten dem Anspruch des Kunstwerkes gerecht? Nach Abschluss des Fotowettbewerbs kann diese Frage uneingeschränkt mit Ja beantwortet werden. Sowohl die Zahl der eingereichten Arbeiten wie auch die Qualität der Bilder belohnen den Mut des Stifters Dr. Horstfried Masthoff.
Ein Berg von 64 Fotos lag am Donnerstagabend vor der dreiköpfigen Jury. 25 Fotografen hatten sich auf ganz unterschiedliche Weise dem Objekt genähert. Montagen wurden eingereicht, Collagen, szenische Darstellungen, Bilder, die eine Geschichte erzählen. Mit dem Museumsdirektor Reinhard Hellrung aus Haltern, dem Fotografen Jürgen Metzendorf aus Marl und dem Schulleiter Franz Schrief aus Haltern hatte Masthoff eine kompetente Jury zusammengestellt.
Das Ergebnis mag viele überraschen, aber die Entscheidung fiel in großer Einmütigkeit. Das Werk von Dr. Hans Jadamus aus Marl überzeugte durch die Einfachheit der Ausdrucksmittel. Der Fotograf benutzte eine Lochkamera und ging damit auf die Ursprünge der Fotografie zurück. Der Gegensatz von Schwarz und Weiß unterstützt eindrucksvoll die Aussage des Bildes. Oben die herabhängende Hand des gescheiterten Varus, unten eine Ampel als Sinnbild unserer schnelllebigen Zeit.
Ganz anders der zweite Platz: Die Montage von Kirsten Hilgers beeindruckt durch die Intensität der Farbe. Ein Blau, das Kälte ausstrahlt. Kalte Verachtung spiegelt sich auch im Gesicht des Varus. Und die Kreuze symbolisieren die ungezählten Toten des Krieges. Eine ganz andere Rolle spielt der Kopf des Varus im Bild von Maaike Thomas, das den dritten Platz belegt. Das Antlitz des Feldherrn im Staub, getreten von den Füßen einer römischen Adler-Lampe.
Für die ersten vier Plätze gibt es Geldpreise zwischen 500 und 100 Euro. Mit jeweils einem Museumsführer werden die Plätze fünf und sechs belohnt. Alle Beiträge des Wettbewerbs sind bald im Internet zu bewundern. Außerdem will Stifter Dr. Horstfried Masthoff einen Bildband herausgeben.
Thomas Liedtke
Sämtliche Beiträge des Fotowettbewerbs zum Thema „Blickfang Varus“ wurden in einer Ausstellung im Westfälischen Römermuseum in der Zeit vom 14.10. bis 07.11.2004 präsentiert. So konnten die Besucher ihr eigenes Urteil mit der Entscheidung der Jury vergleichen. Zur Ausstellung erschien ein Katalog, in dem jeder Teilnehmer des Wettbewerbs mit mindestens einem Foto vertreten ist.
© Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 13. Oktober 2004
In dieser Schlacht gibt es keinen Verlierer
24 Fotografen - eine Ausstellung: Die Ergebnisse des Foto-Wettbewerbs "Blickfang Varus" der Kultur-Stiftung Masthoff sind ab heutigen Donnerstag im Westfälischen Römermuseum zu sehen.
"Persönlich bin ich mit dem Ergebnis des Wettbewerbs sehr zufrieden", sagte Dr. Horstfried Masthoff bei der gestrigen Vorstellung der Fotos im Römermuseum. "Bei dieser Schlacht hat es jedenfalls keinen Verlierer gegeben."
Insgesamt 64 Fotos sind eingereicht worden, eine dreiköpfige Jury - bestehend aus Schulleiter Franz Schrief, WAZ-Redakteur Jürgen Metzendorf und Museumsdirektor Reinhard Hellrung - hatte dann im vergangenen Juni die besten Arbeiten ausgewählt (wir berichteten).
"Erstaunlich finde ich, in welcher Vielfalt die Fotografen das Thema Varus behandelt haben", erklärte Masthoff erfreut. Dabei sei ihm wichtig gewesen, dass man sich mit Varus und insbesondere der Varus-Skulptur nun auch künstlerisch auseinandergesetzt habe. Ein Ziel ist es überdies, den Legenden umrankten römischen Feldherrn und somit auch Halterns römische Wurzeln populärer zu machen, schließlich ist für das Jahr 2009 eine große Varus-Ausstellung geplant.
"Einige Fotografen haben Objekte unseres Museums verwendet und sogar Varus in das Museum hineinprojiziert", erklärte Museumsleiter Dr. Rudolf Aßkamp. Damit habe das Varus-Denkmal seinen Sinn erfüllt und eine Brücke zwischen der Innenstadt und dem Museum geschlagen. "Das ist mit den Fotos dieser Ausstellung gut erfasst", sagte Aßkamp.
Parallel ist auch der Ausstellungskatalog "Blickfang Varus - ein Fotowettberb" mit Unterstützung der Volksbank Haltern erschienen. Die Austellung ist noch bis einschließlich 7. November zu sehen.
C. Oberste-Kleinbeck
In der Zeit vom 21. November 2004 bis zum 19. Februar 2005 fand in der Stadtbücherei Haltern eine Ausstellung statt unter dem Thema "Die Suche nach Eugen König - Fragmente". In dieser Ausstellung wurden 61 bisher noch nie öffentlich gezeigte Werke des nahezu unbekannten westfälischen Künstlers Eugen König gezeigt. Begleitend wurde ein von Eva Masthoff verfaßter, reich bebilderter Katalog mit biographischen Zügen von der Stiftung herausgegeben.
© © Ruhr Nachrichten, 22. November 2004
Bilder krönen die Suche nach Eugen König
Gräfin Ilse Westerholt (l.), die im von Eugen König in Öl gemalten Haus Klein-Schonebeck wohnt, Wolfgang und Birgit König waren gestern Morgen die Ehrengäste bei der Eröffnung der von Eva Masthoff (2.v.r.) initiierten Eugen-König-Ausstellung. (Foto: Thieme Dietel)
Haltern. Von den freundlichen Menschen in Hennewig und der Landschaft, in die sein Vater Joseph König hineingeboren war, fühlte sich Eugen König besonders angezogen.
Hier entstanden seine schönsten, intensivsten Bilder: Porträts von selbstbewussten Landwirten und Originalen, die sich in der Stadtbücherei seit gestern zu einer beeindruckenden Galerie zusammenfügen. Nach der Buchpräsentation am Freitag (wir berichteten) eröffnete die stellv. Bürgermeisterin Ursula Kelders eine begleitende Ausstellung mit 61 Werken des Künstlers: Kohle-, Pastell- und Federzeichnungen, Studien und Ölgemälde. Begabt und brillant nannte Büchereileiter Bernd Köster den in Münster geborenen Künstler. Er war der älteste Sohn von Lebensmittelchemiker Dr. Joseph König und in den Augen der Hennewiger ein sensibler Sonderling.
Bernd Köster sprach von einer kraftvollen, auf den Augenblick bezogenen Kunst. Durch Krankheit und frühen Tod mit 29 Jahren habe Eugen König allerdings nie die Chance gehabt, sich als eigenständige künstlerische Persönlichkeit herauszubilden. Gleichwohl verdiene seine Arbeit Würdigung. „Eva Masthoff hat ihn, den Vergessenen, neu entdeckt“, Ursula Kelders dankte im Namen der Stadt für die wunderbare Ausstellung, der sie viele kunstverständige Besucher wünschte. Bernd Köster schloss ein Dankeschön an die KulturStiftung Masthoff an, deren leidenschaftliche Kulturarbeit für die Stadt, diese Ausstellung und das begleitende Buch erst ermöglichte.
Wolfgang König ist mit den Bildern groß geworden, „aber besonders liebevoll haben wir sie nicht behandelt.“ Es fehlte die Beziehung. Selbst Vater Maximilian wusste kaum etwas über seinen Onkel Eugen König. „Jetzt bekommen die Bilder natürlich einen ganz anderen Stellenwert."
Elisabeth Schrief
In der Zeit vom 21.05. bis 28.08.2005 wurden im LWL-Römermuseum "Die letzten Stunden von Herculaneum" rekonstruiert. Damit wurde in Haltern am See erstmals außerhalb Italiens eine Ausstellung über Herculaneum, der Nachbarstadt Pompejis, gezeigt. Die Schau informierte über diese luxuriöse römische Stadt und ihre Bewohner sowie über das Ausmaß und die Folgen der Naturkatastrophe von 79 n. Chr.. Im Rahmen ihrer Projektförderung unterstützte die Stiftung diese großartige Ausstellung, die nahezu 130.000 Besucher in ihren Bann zog.Durch den Untergang der römischen Vormachtstellung östlich des Rheins blieben die Germanen für Jahrhunderte von der hochentwickelten römischen Kultur ausgeschlossen.

